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Gewässerschutz
„Wasser ist Leben“
- diese selbstverständliche Tatsache dringt der
Allgemeinheit viel zu wenig ins Bewusstsein. Zur Erinnerung gab es das „Jahr des
Wassers“, aus genau diesem Grund wurde die EU-Wasserrahmenrichtlinie ins Leben
gerufen, trotzdem ging es an den Entscheidungsträgern größtenteils vorbei.
„Artenschutz beginnt im Wasser“.
Wir Fischer sind die einzigen, die das mit vollem Einsatz vertreten.
Seitens der
Politik und des etablierten Naturschutzes gibt es kaum mehr als Festtagsreden
und Lippenbekenntnisse. Die Beispiele zeigen Ihnen, wie viel zu diesem Thema
noch zu machen ist:

Altschnee
in die Gewässer
Es ist lange
bekannt, dass Altschnee von den Fahrbahnen mit Schadstoffen kontaminiert ist wie
Sondermüll. Trotzdem kämpfen
manche Gemeinden verbissen darum, diesen Räumschnee weiter in den
nächsten Bach schütten zu dürfen. Und so gelangen krebserregende Substanzen,
Kohlenwasserstoffe und zellschädigende Schwermetalle weiter in die Gewässer.
Gewässerregulierung
Nach der
großflächige Regulierung des Rheins Anfang des 19. Jahrhunderts durch den
Bauingenieur Tula setzte in ganz Europa eine wahre Welle der Gewässerregulierung
ein. Die Idee dabei war: „Der menschliche Geist wird die Naturgewalten
bezwingen“. Flüsse und Ströme wurden in steinerne Betten gezwängt, Altarme
wurden abgeriegelt und zum größten Teil zugeschüttet. Damit gingen die Laich-
und Jungfischzonen verloren. Nur die Hochwasser wurden dadurch nicht gebannt. Im
Gegenteil, mit jeder weiteren Regulierung wurden diese Fluten verheerender.
Hormone und hormonähnliche
Stoffe im Abwasser
Die Hormone aus
der Humanmedizin (die „Pille“) sowie vielerlei hormonähnliche Substanzen vor
allem aus der Landwirtschaft (Unkraut-, Schädlingsvertilgungsmittel) können auch
mit den besten Kläranlagen nicht ausgefiltert werden und gelangen somit in die
Gewässer. Die Schädigungen der Lebensformen unter Wasser sind noch gar nicht im
vollem Umfang erfasst. Wir dürfen Sie z.B. an die „schwarzen Forellen“ erinnern,
ging mehrfach durch die Medien. Die kleinen Bachforellen werden dunkel und
sterben weg. Auslöser dürfte ein Mix aus den obgenannten Stoffen sein.
Schifffahrt
Mitte des 19.
Jahrhunderts setzte die Dampfschifffahrt ein. Der Wellenschlag schädigt die
Jungfische auf den Kiesbänken der Donau. Wie schwerwiegend diese Schäden sind,
wurde erst vor Kurzem durch die Wellenschlagstudie der Universität Wien
dokumentiert. Derzeit fahren jährlich über 12.000 Frachtschiffe und etwa 3.500
Personenschiffe auf der Österreichischen Donau. Und die Tendenz ist steigend. Um
das Maß voll zu machen, wurde
im Bereich des
Nationalparks Donauauen ein Schnellschiff eingesetzt, das sechsmal täglich mit
60 km/h zwischen Bratislava und Wien dahinrast und meterhohe Wellen an die
letzten Kiesbänke das Stromes wirft.
Wasserkraftwerke
Wir alle benötigen
den elektrischen Strom, da kann es gar keine Frage geben. Aber Wasserkraftwerke
gelten noch immer als umweltfreundlich. Mit diesem weitverbreitetem Irrtum muss
schleunigst aufgeräumt werden. Wasserkraftwerke verursachen ganz gewaltige
Schäden an den Gewässern und an den Fischbeständen.
Ausleitungen
An
Kleinkraftwerken wird häufig fast der gesamte Bach oder Fluss in einen
Werkskanal umgeleitet. Im ehemaligen Bett verbleibt nur eine kleine
Restwassermenge. Obwohl diese Restwassermenge gesetzlich geregelt ist, wird das
bei fast allen diesen Werken nicht eingehalten. Damit tritt dort regelmäßig ein
Fischsterben auf. Für den Geschädigten ist das oft sehr schwer nachzuweisen.
Fiel das Wasser nur für wenige Stunden aus und das womöglich bei Nacht, dann
findet man zwar weit stromab tote Fische, aber der Beweis ist oft schwierig bis
unmöglich.
Schwall und Sunk
Zu gewissen Tageszeiten wird mehr
elektrische Energie benötigt. Daher wird zumindest einmal täglich mehr Wasser
aus dem Stauraum abgelassen. Der Wasserschwall bewegt damit zumindest einmal
täglich die Schottersteine des Grundes. Damit werden die im Schotterzwischenraum
verborgenen Fischeier und -Brütlinge, Kleinkrebse, Insektenlarven u.s.w. wie bei
einem Hochwasser zermalmt. Es gibt noch viele weitere Schädigungen. Ein
Hochwasser tritt in der Natur einmal im Jahr auf. Der Schwallbetrieb findet
täglich statt. Unterhalb des Kraftwerkes kann sich kein Leben mehr entwickeln.
Stauräume
Durch den Verlust
der Strömung lagert sich Schlamm über dem Schottergrund ab. Die Laichplätze
gehen damit verloren. Nach den abiotischen Konditionen sind Stauräume weder
„Fisch noch Fleisch“, das ist kein Fliessgewässer mehr, aber auch kein See oder
Teich. Nur mehr ganz wenige Arten können sich darin behaupten.
Stauraumspülungen
Die Sedimente
würden den Staubereich früher oder später vollständig auffüllen. Daher wird
dieser Bereich von Zeit zu Zeit gespült. Das hört sich technisch an, ist aber in
Wirklichkeit eine komplette Umweltkatastrophe. Nehmen wir als Beispiel die
Bolgenach in Vorarlberg. Im Jahr 1995 war der Speicher trotz der Warnungen zur
Spülung abgelassen worden. 300.000 m³ Schlamm ergossen sich in die darunter
liegenden Flüsse bis in die Harter-Bucht in den Bodensee. Die Schlammfracht war
60-mal größer als bei einem Hochwasser. Der Gewässergrund ist noch heute, 12
Jahre später, wie mit einem Zementdeckel versiegelt, in den Bodensee hinein ist
diese sterile Schicht einen Meter dick. In der Bolgenach gibt es bis heute
keinen natürlichen Fischbestand, aber alle betroffenen Gewässer sind schwerst
geschädigt. Und die nächste Spülung wird demnächst fällig.
Das selbe spielt
sich bei Laufkraftwerken ab. Nur – die werden bei Hochwassern gespült, damit ist
das nicht sofort erkennbar. Aber die Folgen sieht man an den meterdicken
Schlammschichten in den Uferbreichen und in den überfluteten Häusern.
Turbinen
Die gemäß dem
Instinkt stromab wandernden Fische werden in den Turbinen lebend gehäckselt. Je
kleiner die Kraftwerke sind, umso höher ist die Letalitätsrate. Aber auch große
Kraftwerke mit einer Letalitätsrate von sagen wir fiktiv nur 20% richten schwere
Schäden an. Überall befinden sich Ketten von Kraftwerken. Nach der Passage von
nur 5 Kraftwerken ist selbst bei dieser fiktiven niederen Tötungsrate kein Fisch
mehr am Leben (= 20% mal 5 = 100%).
Zerstückelung der Fließgewässer
Markierungen an
Tausenden Fischen um 1920 zeigten ungeahnte Wanderstrecken – Nasen bis zu 300
km, Barben bis zu 500 km. Alle Fische müssen wandern können. In die
Laichgebiete, zu Weidegründen, Rückzug vor Hoch- oder Niederwassern, und vieles
mehr. Durch die Wehre wurden die Wanderungen nachhaltig verhindert. Bereits mit
den ersten Wasserkraftwerken im 19. Jahrhundert brachen lokal die Fischbestände
zusammen.
Wasservergiftung
Das tritt zwar
viel seltener als früher auf, aber für den oder die Betroffenen ist es schlimm
wie eh und je. Wir dürfen an das Fischsterben vom Mai 1999 in der Leitha
erinnern. Zyanid hatte die Fischbestände auf eine gewaltige Strecke ausgelöscht.
Der Verursacher ist klar, da gibt es keine Zweifel. Trotzdem läuft der
Schadenersatz-Prozess nun das achte Jahr.
Schotterbaggerungen
Schotterentnahme
aus Fließgewässern fügt dem Ökogefüge schwere Schäden zu. Im
Schotterzwischenraum leben eine Vielzahl von Lebewesen, dort laichen auch die
Strömungslaicher unter den Fischen ab, darin verkriechen sich nicht nur die
Fischnährtiere sondern auch die Fischbrütlinge und Jungfische. Durch die bereits
an allen Gewässern vorhandene Kette von Wehren und Stauen kann der Fluss den
fehlenden Schotter nicht mehr nachliefern. Über diese Schäden hat das ÖKF ein
hochrangig besuchtes Seminar abgehalten, die Unterlagen sind über das ÖKF
erhältlich.
Wassertrübung
Die
dadurch verursachten Schäden sind in Europa viel zu wenig bekannt. In den
Vereinigten Staaten von Amerika wurde das hingegen akribisch untersucht. Selbst
geringgradige Trübungen rufen bereits nach relativ kurzer Zeit Schäden vor allem
an den Jungfischen hervor. Der Verursacher ist für diese Schäden haftbar.
Unterlagen darüber können Sie vom ÖKF besorgen.
Die
Fischer sind in Wahrheit die Einzigen, die sich permanent für den Erhalt der
letzten naturnahen Gewässer und für die Revitalisierung an allen Gewässern
einsetzen.
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