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Allgemeine Fischbiologie

 

Die Familie der Fische ist alt, sogar sehr alt (an die 400 Mio. Jahre). Das zeigt, dass sich diese Tierart über die Zeiten sehr gut an die wechselnden Umweltbedingungen anpassen konnte. Solange sich diese Konditionen unter natürlichen Voraussetzungen über Jahrtausende verändern. Die „hausgemachten“ Veränderungen der letzten hundert Jahre sind hingegen eine arge Belastungsprobe für unsere Fischarten. Ohne uns Fischer wären die meisten unserer heimischen Fische bereits verschwunden.

 

Wie alle Wirbeltiere benötigen auch die Fische Sauerstoff zum Leben. Den holen sie sich aber nicht etwa von der Wasseroberfläche aus der Luft. Wasser kann einen Anteil an Gasen, damit an Luft und damit wieder an Sauerstoff, binden. Das Sauerstoffbindungsvermögen hängt von der Temperatur ab. Bei 0 Grad Celsius können 14,1 mg Sauerstoff (O2) gebunden werden, bei 30 Grad Wassertemperatur nur mehr die Hälfte. Wie bekannt, haben die Fische Kiemen. Das Wasser strömt durch die roten stark durchbluteten Kiemenblättchen, die roten Blutkörperchen nehmen dabei den Sauerstoff aus dem Wasser auf und geben das Kohlensäuregas (CO2) aus dem Blut ins Wasser ab.

 

Fische sind wechselwarme Lebewesen, d.h. ihre Körpertemperatur hängt von der Temperatur der Umgebung ab. Je wärmer das Wasser, umso höher ist die Temperatur des Fisches. Mit der Körpertemperatur steigen auch die Lebensfunktionen, damit verbunden steigt der Sauerstoffbedarf. Man kann das so sagen: Beim höchsten Sauerstoffbedarf hat das Wasser den niedersten Sauerstoffgehalt. Das ist der Grund, warum verschiedene Fischarten nur relativ geringe Steigerungen der Wassertemperatur aushalten. Wir nennen sie dann empfindliche Fische, wie Forellen, Äschen, Saiblinge. Prinzipiell sind strömungsliebende Fische, also z.B. auch Steinbeitzger, Nase oder Strömer, empfindlicher als Teichfische. Das ist damit erklärbar, dass sich Fliessgewässer in unserer gemäßigten Zone nie so stark erwärmen wie seichte stehende Gewässer, also wie Teiche.

Unsere Fische haben ein Knochenskelett. Aber zusätzlich haben praktisch alle Arten in der Muskulatur dünne Gräten. Die meisten haben die Weißfische, und da führt wieder der Schied oder Rapfen. Man nannte ihn spöttisch den Schwiegermutterfisch – „Einen Schied kann man nur herschenken, am besten der Schwiegermutter“.   

 

Fische haben ein einfacher gebautes Herz als z.B. Säugetiere, sie haben damit nur einen einfachen Blutkreislauf, höhere Tier haben bekanntlich zwei davon. Auch die Blutmenge ist prozentuell wesentlich geringer. Das genügt vollständig für die einfachen Leistungen des Gehirns der Fische. Selbstverständlich reagieren sie auf alle Reize ihrer Umgebung, sie werden auch auf Angriffe eines Feindes (Raubfisch, Kormoran) mit einem Fluchtversuch reagieren. Die Wissenschaft nennt das Nociception. Aber, das ist ganz wichtig, sie können Schmerzen oder Angst nicht im Sinne von Säugetieren oder gar Menschen empfinden. Denn den Fischen fehlt die Großhirnrinde, der Neocortex. Wir Fischer kennen das übrigens: Wie oft geht ein Raubfisch beim Drill vom Haken ab und beißt sofort wieder!

 

Auch sonst sind Fische sehr viel anders gebaut als „höhere“ Tiere. Die meisten Arten haben Schuppen, die sie vor leichten Verletzungen schützen. Diese Schuppen sind in Hauttaschen eingebettet. Die Anzahl der Schuppen entlang der Seitenlinie und von der Seitenlinie zu Rücken- und Afterflosse werden in der Schuppenformel festgehalten und sind von Fischart zu Fischart unterschiedlich.

 

In der Haut liegen Farbzellen. Fische können in allen Regenbogenfarben „leuchten“. Trotzdem haben sie nur vier Farbzellentypen – Schwarz- , Gelb-, Rot- und Glanzzellen. Daraus werden alle Farben gemischt. Fische können wie Chamäleons die Farben verändern, indem sie die Oberfläche der Farbzellen vergrößern oder verkleinern. Damit werden Fisch auch heller oder dunkler und passen sich der Umgebung an. Hell- und Dunkelfärbung geschieht über die Schwarzzellen und wird über das Auge gesteuert. Bei Goldfischen fehlen die Glanz- und Schwarzzellen, das tritt in freier Natur außer bei Karauschen auch bei Schleien, Barschen und Welsen auf. Logischerweise werden solche Jungfische nicht alt, jeder Raubfisch sieht sie von weitem.         

 

In der oberste Hautschicht liegen Schleimzellen, wir nennen das die Schleimhaut. Das hat mehrfache Funktionen. Der „Reibungswiderstand“ im Wasser wird wesentlich herabgesetzt, es bilden sich keine bremsenden Wirbel am Fischkörper. Im Wasser leben Unmengen von mikroskopischen Lebensformen, am bekanntesten sind Bakterien und Bazillen, aber auch Pilzsporen. Die Schleimschicht schützt den Fisch vor laufenden Infektionen. Daher ist es so wichtig, untermäßige Fische im Wasser abzuhaken, ohne sie anzufassen. Muss man einen Fisch angreifen, dann darf das nur mit der nassen Hand oder mit einem nassen Tuch erfolgen. Damit verhindert man, dass die Schleimhaut beschädigt wird und dass Keime eindringen können.                           

 

Eine weitere Besonderheit der Fische ist die Seitenlinie sowie die Sinnesporen am Kopf. Damit nimmt der Fisch die geringsten Strömungs- und Wasserdruckveränderungen wahr und kann auch bei trübem Wasser oder bei Dunkelheit an Hindernissen vorbeischwimmen. Raubfische spüren damit auch die Bewegungen ihrer Beutetiere. Selbstverständlich hören Fische auch gut. Wasser überträgt Schallwellen viel besser als Luft, mit der Schwimmblase haben Fische ein wesentlich größeres Organ zum Empfangen von Schall als Warmblüter mit dem Trommelfell. Da Fische gut hören, ist es auch kein Wunder, dass manche Arten auch Geräusche verursachen können. Das Knurren der Koppen ist schon lange beschrieben. 

 

Manche Fische haben Barteln. Darauf sitzen Geschmackszellen wie bei uns auf der Zunge. Darüber hinaus können Fische über den gesamten Körper verteilt Geschmackszellen haben, das dient der Auffindung der Nahrung. Fische haben auch einen ausgesprochen guten Geruchssinn. Manche wie der Aal tausendmal besser als ein Hund.

 

Raubfische haben starke Magensäfte zum Verdauen der Beute. Am Kiefer und am Gaumen haben sie Zähne zum Festhalten der Beutetiere, manche nur sogenannte Bürstenzähne, aber vor allem Hechte und Zander haben kräftige spitze Zähne.  Das Maul der Cypriniden und Schmerlenartigen ist zahnlos, aber diese Fische zerkauen ihre Nahrung mit den Schlundzähnen. Das sind knochige Gebilde mit je nach Fischart spitzen Zähnchen oder breiten Mahlflächen, je nach Fischart ein- bis dreireihig, auch die Anzahl der Zähnchen darauf ist artspezifisch. Das ist ein ganz wichtiges Unterscheidungsmerkmal der Arten; die Anzahl der Zähnchen muss links und rechts nicht gleich sein. Die Schlundzähne drücken gegen eine hornige Platte am Gaumen, den sogenannten „Karpfenstein“.    

 

Die inneren Organe sind ähnlich wie bei uns. Weißfische oder Cypriniden, also Karpfenartige, haben keinen Magen, auch die Schmerlenartigen nicht. Die Niere ist ein langgestrecktes rotes Organ unter der Wirbelsäule und sieht wie gestocktes Blut aus, wurde früher auch oft damit verwechselt.

 

Die Laichprodukte, Milch oder Rogen, werden bei manchen Arten einmal im Jahr abgegeben, überraschend viele Arten laichen aber in vielen einzelnen Raten ab, sodass sich die eigentliche Laichzeit über Wochen hinziehen kann. Bei manchen Arten werden während des Jahres immer wieder neue Eier gebildet, so z.B. beim Dreistacheligen Stichling oder auch bei der Schleie. Diese Erkenntnis wird viele überraschen. Bei den meisten unserer Fische sind die Laichorgane paarig, bei den Barschartigen nur einfach.            

 

Die Schwimmblase ist ein ganz besonderes Organ. Der Fischkörper wäre schwerer als Wasser, das Gas in der Schwimmblase gleicht das aus. Der Fisch schwebt im Wasser, ohne dafür Energie aufwenden zu müssen. Der Gasdruck in der Schwimmblase muss daher stets dem Wasserdruck angepasst werden. Haben wir wirklich darüber nachgedacht, wie das vor sich geht? Bei vielen Arten ist die Schwimmblase mit dem Darm verbunden, Druck abzulassen ist damit kein Problem. Aber wie kommt mehr Luft oder Gas in dieses Organ? Wenn der Fisch in die Tiefe schwimmt, presst der Wasserdruck seine Schwimmblase zusammen, sie wird kleiner, er muss mehr Gas „nachfüllen“. Würde der Fisch an der Oberfläche Luft schlucken und in die Schwimmblase pressen, dann würde sein Auftrieb größer, er käme gar nicht in die Tiefe. Das zusätzliche Gas wird über ein spezielles Adernsystem in die Schwimmblase abgegeben, das sogenannte Wundernetz oder den „roten Körper“. Die Schwierigkeit dabei ist, in der Schwimmblase herrscht ein höherer Gasdruck als im Blut. Das Gas muss chemisch ausgefällt werden, nach diesem Organ muss der pH-Wert des Blutes aber sofort wieder neutralisiert werden. Bei Fischen ohne Schwimmblasengang, also z.B. bei Barschen, muss der Gasdruck über zwei ähnliche Organe aufrecht erhalten werden. Die Befüllung genauso über den „roten Körper“, die Druckreduzierung erfolgt über das „ovale Fenster“. Man kann an der Funktionsweise der Schwimmblase erkennen, wie wichtig der richtige pH-Wert des Blutes für den Fisch ist. Jetzt erkennt man erst, welche Schäden einem Fisch mit dem „Müdedrillen“ zugefügt werden können. Denn damit steigt der Milchsäurespiegel im Blut. Daher das Angelgerät immer so stark wählen, dass der Drill nicht zu lange dauert.

 

Fische bewegen sich mit den Flossen fort. Der Vortrieb erfolgt mit der Schwanzflosse, so wie ein U-Boot von der Schraube angetrieben wird. Die anderen Flossen dienen zum Stabilisieren und Steuern. Die Flosse besteht aus Flossenstrahlen und Flossenhaut. Es gibt prinzipiell Stachelstrahlen und Gliederstrahlen, aber das sagt noch nichts. Stachelstrahlen können auch weich sein wie bei den Koppen, der vordere Teil des Gliederstrahls einer Barbe oder eines Karpfen ist dagegen hart und spitz. Die Flossenformel dient zur Unterscheidung der Arten, vor dem Bruchstrich werden die harten Strahlen angeführt, nach dem Bruchstrich die weichen. 

 

Für die Fischlänge gibt es drei verschiedene Maßeinheiten. Von der Schnauzenspitze bis zur letzten Schuppe nennt man die Standardlänge. Von der Schnauzenspitze bis zur Gabelung der Schwanzflosse heißt die Gabellänge. Von uns Fischern wird von der Schnauzenspitze bis zum Ende der Schwanzflosse gemessen. Wir nennen diese Länge das Brittelmaß. Wissenschaftlich heißt das Totallänge. Längenangaben in der Literatur sind  oft abweichend, wobei meistens nicht hervorgeht, welches System angewandt wurde. Ob drei unterschiedliche Maßeinheiten sehr sinnvoll sind, mag jeder selbst überlegen.