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Fischseuchen

 

 

 

 

 

 
NÖ Tier-Gesundheits-Dienst TGD
Sektion Fische

Dr. Heinz HEISTINGER

 

Die jährliche Produktionsmenge an Nutzfischen (Forellen, Karpfen, u. a.)  in Niederösterreich betrug trotz des langen und schneereichen Winters 2005/2006 über 1000 Tonnen. 

Für den Bereich Aquakultur (Teichwirtschaften und Forellenzuchten sowie landesweite Untersuchungen) erfolgt  für ca. 25 Fischzuchtbetriebe ein Betreuungsprogramm im Rahmen des NÖTGDs, das über  95% der Jahresproduktion abdeckt.

Fischzerlegehalle

Vor allem für die professionellen Zuchtanstalten hat sich  diese Einrichtung bewährt, da diese die Spitze einer Produktionspyramide darstellen.

 Gesetzliche Grundlage dieser fachtierärztlichen Betreuung sind:

die in Österreich noch bis 2008 gültige Aquakulturrichtlinie der EU  (RL 91/67/EWG)

die am 24. Oktober 2006 in Kraft getretene Richtlinie 2006/88/EG betreffend Gesundheits- und Hygienevorschriften für Tiere in Aquakultur und Aquakulturerzeugnisse und zur Verhütung und Bekämpfung bestimmter Wassertierkrankheiten

das Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz  (LMSVG 2006) 

Beprobung eines Huchens

Das Routineprogramm des NÖ Fischgesundheitsdienstes umfaßt veterinärmedizinische Untersuchungen und Pathosektionen (n=274)  sowie chemische und physikalische Wasseranalysen (n=66).

Weiters werden für jeden Betrieb individuelle Vorsorgeprogramme zur Vermeidung  eventueller Krankheiten während der kritischen Zeit des Umsetzens und Überwinterns durchgeführt.

Ein seit 1999 laufendes Impfschutzprogramm gegen die in der Karpfenproduktion gefürchtete Viruserkrankung SVC ( Spring viraemia of carp) wurde 2006 in 4 Teichwirtschaften an 83.500 Stk einjährigen Karpfen durchgeführt. 

Virusprobenahmebesteck

Hinsichtlich der ab 2008 bei Besatz- und Speisekarpfen anzeigepflichtigen KOI HERPES VIROSE wurde bereits heuer mit einem Monitoring hinsichtlich dem Vorkommen dieses Fischseuchenerregers begonnen. In keinem der 13 betreuten NÖ Teichwirtschaften war dieser Erreger mittels PCR-Methode nachweisbar.

 In Kaltwasserfischzuchtanlagen wurde zusätzlich zu den Routineuntersuchungen gemeinsam mit der Klinik für Geflügel, Fische und Reptilien  der Veterinärmedizinischen Universität Wien (=EU-Referenzlabor) in niederösterreichischen Forellenzuchtanstalten das Untersuchungsprogramm  hinsichtlich VHS (Virale hämorraghische Septikämie) und IHN (Infektiöse hämopoetische Nekrose) fortgesetzt und gem. der noch geltenden EU-RL 91/67 beprobt.

Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Aquakulturverordnung soll Niederösterreich über 4 seuchenfreie Betriebe und 2 seuchenfreie Zuchtgebiete verfügen.

Seit 1999 ist der Fischgesundheitsdienst vom NÖ Teichwirteverband beauftragt in den Schlacht- und Zerlegebetrieben produkt- und produktionshygienische Qualitätskontrollen gem. aktuellem Österreichischem Lebensmittelrecht durchzuführen und den Fischzüchtern zu helfen, die hohe Qualität ihrer Speisefischprodukte zu sichern. Die seit 2006 geltenden gesetzlichen Vorgaben des Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz wurden dabei in ein HACCP- System eingearbeitet.

 

Produkt- und produktionshygienische Untersuchungskriterien sind:

Fachmännische, dem Lebensmittel- wie auch dem Tierschutzgesetz entsprechende Sortierung und Schlachtung der Fische

die Gesamtkeimzahl, die Enterokokkenzahl, die Menge an Coliformen sowie Hefen- und Schimmelpilzen im Schlacht- und Zerlegebereich (Arbeitsflächen, Schürzen, Messer und sogenannte Schröpfmaschinenbänder)

Die Untersuchung der Produkte bzw. des Umfeldes hinsichtlich Frische, Lagerungs- u. Verpackungshygiene, Lagertemperatur sowie Kontrolle hinsichtlich Anwesenheit humanpathogener Keime (Salmonellen, Campylobacter und Listerien)

 

Der diesbezüglich von tierärztlicher und teichwirtschaftlicher Seite gemeinsam erarbeitete Maßnahmenkatalog wird in Arbeitssitzungen laufend aktualisiert und vom Vorstand des NÖ Tiergesundheitsdienstes genehmigt.  

Das NÖTGD Programm Fische trägt seit 8 Jahren wesentlich zur Vermeidung von Produktionsausfällen bei und hilft die jährliche Fischproduktion qualitativ zu verbessern. Vom NÖTGD Sektion Fische betreute Forellenzuchten und Teichwirtschaften sind mit dem offiziellen Gütesiegel des NÖ Tiergesundheitsdienstes ausgezeichnet.

Die Sektion Fische des NÖTGD  ist auch Mitglied des vom BML organisierten Österreichischen Fischereibeirates und der Arbeitsgruppe Fischseuchen, BMSG Veterinärverwaltung VII/B/8 sowie weiters in der Fachgruppe Fische und Bienen des Beirates des Österreichischen Tiergesundheitsdienstes vertreten.

( Jahresbericht 2006)

Angaben zum Autor:
NÖ Tiergesundheitsdienst, Sektion Fischgesundheit

Dr. med.vet. Heinz HEISTINGER, Fachtierarzt für Fische
SV für Fischerei sowie Handel mit Fischen und Schalentieren

A-3180 Lilienfeld, Babenbergerstr. 22
Tel.: 02762-53360 (-24 fax)
Internet: www.noe-tgd.at

 

Dr. Heistinger beim Anschauungsunterricht im Jugendcamp