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Das Problem in Kürze
Aus vielen Gesprächen wissen wir, daß sich Nichtfischer oft schwer tun zu verstehen,
warum die Kormorane für die Fischerei ein so großes Problem sind. "Vergönnt doch
den Vögeln die paar Fische", sagen sie. Gerne, wenn es tatsächlich nur um "ein
paar Fische" ginge.
Das Problem ist nicht "DER KORMORAN" sondern ihre zu große
Zahl. Weil es soviele Kormorane gibt, geht es leider nicht nur um "ein paar Fische".
Sondern um sehr sehr viele Fische.
An der
Ahr, einem 83 km langen, weitgehend
naturnahem Nebenfluß des Rheins, wurde ein Rückgang auf 25 % des ursprünglichen
Fischbestandes festgestellt.
Untersuchungen an der Enns (Steiermark) zeigen
einen Rückgang auf 10 % des ursprünglichen Fischbestandes.
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Und das sind keine Einzelfälle.
Nicht an allen Gewässern sind die Verluste gleich hoch. Aber selbst wenn die Vögel
nur 20 % der Fischbiomasse entnehmen, und 20 % schaffen sie faktisch an jedem Gewässer,
so bedeutet dies, daß vom natürlichen Ertrag für die Fischer faktisch nichts mehr
übrigbleibt.
Begrenzter Fischbestand
 | Es ist nicht so, daß unsere Gewässer vor Fischen nur so wimmeln. In Wahrheit sind sie
fischarm zum Teil von Natur aus, zum Teil aufgrund von Verbauungen,
Uferbegradigungen und anderen menschlichen Eingriffen. |
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Würde man in
einem einzigen Jahr gleich 50% des Fischbestandes aus einem Gewässer
herausfischen, dann wäre das katastrophal. Menschliche Fischer könnten das
problemlos, aber menschliche Fischer tun das nicht (jedenfalls nicht die
österreichischen). Weil wir wissen, dass dann im Folgejahr zuwenig
Laichfische da wären, um eine ausreichenden Nachwuchs zu sorgen.
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 | Man kann aus einem Gewässer nur so viele Fische entnehmen, wie im gleichen Jahr wieder
nachwächst. Prinzip der nachhaltigen Bewirtschaftung.
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 | Dieser jährliche Zuwachs ist begrenzt durch das Nahrungsangebot - in unseren Gewässern
sind es im Schnitt 20 % des Fischbestandes. Wenn man mehr herausnimmt, greift man die
Substanz an und der Fischbestand sinkt und sinkt. |
Sehr viel mehr Kormorane
 | Um 1970 gab es im westlichen Europa knapp 30.000 Kormorane.
Seither haben sie sich auf über 1.100.000 Stück vermehrt. |
 | Kormorane sind heute häufiger und weiter verbreitet als vor 200 Jahren, als die
Gewässer noch in Ordnung waren. |
Große Vögel brauchen viel Nahrung

 | Kormorane sind Großvögel,
bis zu 95 cm groß
und 3,2 kg schwer,mit einem Nahrungsbedarf von ½ Kilo Fisch pro Tag. Sie
jagen außerdem fast nie einzeln, sondern kommen in größeren Trupps
von 20 bis 250
Vögeln. |
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Daher können Kormorane, wenn sie an einem Fischwasser einfallen, innerhalb kurzer Zeit
enorm hohe Prozentsätze des lokalen Fischbestandes herausfressen. Verluste von über 40 % bis zu 80 % binnen weniger
Wochen sind keine Seltenheit.
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Österreichische
Fischereireviere sind kleinräumig
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Natürlich sind großflächige Gewässer wie Meere, große Seen und
Tiefland-Ströme vor so radikalen Verlusten eher gefeit. |
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Aber die meisten
österreichischen Gewässer und Fischereireviere sind kleinräumig. Viele
der schönsten Flüsse im Alpenvorland sind nur 10 bis 20 Meter breit und
maximal 2 Meter tief.
Wenn da ein größerer Trupp Kormorane einfällt ... |
 | Und weil es so viele Kormorane sind, sind auch sehr viele Gewässer davon betroffen. |
Ein Vergleich, um das Problem noch deutlicher zu machen
 | Wenn Amseln und Stare aus einem Garten 25 % aller Kirschen wegfressen, bleiben für den
Gartenbesitzer immer noch 75 %. |
 | Wenn Kormorane aus einem Fischwasser 25 % herausfressen, bleiben für die Fischer NULL
Prozent. |
 | Angenommen, die Kirschbäume in einem Garten tragen 1.000 kg Kirschen. Wenn Amseln und
Stare 600 kg wegfressen, tragen die Bäume nächsten Jahr trotzdem wieder 1.000 kg
Kirschen oder mehr. |
 | Anders bei einem Fischwasser, in dem 1.000 kg Fische drin sind. Wenn Kormorane im Winter
600 kg herausfressen, gibt es im Frühjahr nur noch 400 kg Fische. Selbst wenn im Sommer
25% nachwachsen und nicht gefischt wird der Fischbestand beträgt am Jahresende
statt 1.000 kg noch nur 500 kg. |
 | Und wenn die Kormorane mehrere Winter hindurch wiederkommen, wird der Bestand bei
manchen Fischarten so dünn, daß nicht mehr genügend erwachsene Fische übrigbleiben, um
die Fortpflanzungskette aufrecht zu erhalten. |
Die Folgen
Durch ihre enorme Zahl sind die Kormorane gezwungen, jedes irgendwie zugängliche
Gewässer anzufliegen und bis ans Limit auszufischen.
An Donau und anderen größeren Gewässern ist der Bestand an Klein- und Jungfischen
betroffen -
das schädigt Nahrungskette und Alterspyramide
der Fische.
An vielen Gewässern entnehmen die Kormorane mehr als die Hälfte des jährlichen
Zuwachses -
eine enorme Belastung für die Anglervereine.
Aus zahlreichen Strecken der Voralpenflüsse fressen Kormorane 40 bis 90 Prozent der
Fische heraus -
ein
schwerwiegendes ökologisches Problem.
Betroffene Anglervereine stehen vor dem Dilemma, entweder die Pacht des Fischwassers
aufzugeben oder den Verlust durch Besatzfische auszugleichen - mit hohen Kosten und
fraglichem Erfolg.
Europaweit aus dem Gleichgewicht
Schäden häufen sich in allen Ländern Mittel- und
Südeuropas. Vertreibungsmaßnahmen und Abschüsse sind inzwischen in fast allen
Überwinterungsgebieten erlaubt, aber das bringt nur eine regionale Milderung des
Problems, keine wirkliche Lösung. Langfristig hilft nur eine "Geburtenkontrolle"
in den Brutgebieten. Das wird inzwischen auch vom EU-Parlament gefordert, das
wird auch von den obersten Vogelschutz-Instanzen empfohlen. Aber es mangelt an der effektiven Umsetzung.
Von selbst pendelt sich ein Gleichgewicht deswegen nicht ein, weil die Kormorane dort,
wo sie die großen Schäden verursachen, nur überwintern. Wieder zurück in den
Brutgebieten finden sie immer noch reichlich Fische, sowie unter Schutz gestellte
Brutplätze. Also vermehren sie sich weiter.
Wenn nicht
bald und konsequent etwas getan wird, haben wir in einigen Jahren
nicht nur weit weniger Fische in unseren Gewässern,
sondern
auch, was ökologisch noch viel bedenklicher ist, einen irreversiblen Einbruch
der heimischen Wildfisch-Bestände, mit einer verarmten Artenstruktur und
geringeren genetischen Vielfalt.
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