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Was Fische fressen

Fische nutzen ganz unterschiedliche „ökologische Nischen“. Je nach Fischart wird vom kleinsten Plankton bis zu ganz und gar nicht kleinen Beutetieren alles Mögliche gefressen.

Im Gegensatz zu Fernost haben wir keine ausschließlichen Pflanzenfresser. Es wird in Fried- und Raubfische unterschieden, aber auch die meisten Friedfische nehmen ausgewachsen durchaus auch einmal einen kleinen Fisch.

Sehen wir uns also an, was alles auf der Speisekarte unserer Fische zu finden ist.

Betonen muss man, dass wir innerhalb gewisser Arten ausgesprochene Nahrungsspezialisten finden können. Nehmen wir ein Beispiel: in nährstoffreichen Bächen werden sich die Forellen vor allem mit Flohkrebsen mästen. Das Fischfleisch ist rot wie Lachs durch das Vitamin A dieser Kleinkrebse. Und dann fängt man in diesem Gewässer eine Forelle mit weißem Fleisch. Die nähere Inspektion wird Auskunft geben: Entweder ist der Fisch ebenfalls gut genährt, dann wird sein Magen prallgefüllt mit Insekten sein. Ist der Fisch zwar groß, aber auffallend schlank (das darf man aber nicht mit abgemagerten kranken Fischen verwechseln), so hat er hauptsächlich von kleinen Fischen wie ein Hecht gelebt. Häufig findet man dann sogar Reste von kleinen Fischen in seinem Verdauungstrakt. Das gilt selbstverständlich nur für natürliche Nahrung. Forellen in der Nähe von Kuranstalten oder Hotels werden von der Früh an von den Gästen gefüttert. Angeblich fressen solche Fische gar kein Schwarzbrot mehr, sondern nur mehr Kuchen und Striezel ...

 

Kleiner Fisch – kleine Nahrung

Die Nahrung wechselt selbstverständlich auch mit der Größe des Fisches. Die erste Beute der Fischlarven und Brütlinge sind kleinste Lebewesen, Rädertierchen und Larven von Kleinkrebsen, messen 1/10 Millimeter und kleiner. Aber da ist Kleinkrebs nicht unbedingt Kleinkrebs. Darmuntersuchungen an Larven verschiedener Cyprinidenarten zeigen eine oft erstaunliche Spezialisierung auf bestimmte Kleinkrebsarten. In stehenden Gewässern scheinen die Larven von Rüsselkrebsen und Blattfußkrebsen bevorzugt zu werden. Als erste Nahrung ideal wären Rädertierchen, das steht außer Frage. In der freien Natur entwickeln sie sich auf frisch überschwemmten Wiesen förmlich explosionsartig. Für die Jungfische ist nach dem Schlupf der Tisch reich gedeckt. Steht das Wasser aber schon länger dort, so konnten sich räuberische Kleinkrebse wie z.B. Hüpferlinge massenhaft entwickeln. Und die wieder dezimieren die Rädertierchen. Zusätzlich fallen diese Hüpferlinge oder Cyklops, wie sie wissenschaftlich heißen, über die Fischbrut her. Erst nach einiger Zeit, wenn sie etwas gewachsen sind, räumen dann die Fischbrütlinge auch mit den Cyklops auf.

Für Jungfische ist es wichtig, förmlich im Futter zu stehen. Am Besten ist es, wenn sie sozusagen in einer Suppe aus Plankton schwimmen. Ihr Energiehaushalt verbietet, dass sie einem Beutetier weit nachjagen, das muss vor ihrem Maul herumschwimmen. In stehenden Gewässern kann man sich das in seichten Uferbereichen leicht vorstellen. Aber das selbe gilt auch für fließende Gewässer. Dort steht die Fischbrut in seichten Buchten, das Wasser kann bis zu 10 Grad wärmer als in der Strömung sein. Und in diesen Buchten entwickelt sich genauso ein Planktonbestand. Jede Störung dort ist schlecht (Badebetrieb, Waten im Seichten, etc.). Flüchten die Jungfische in die Strömung, erleiden sie einen Temperaturschock. Außerdem finden sie draußen in der Strömung fast keine Nahrung. Dann: wo finden sie die nächste seichte Bucht? Die sind bereits überall Mangelware. Im Freiwasser werden die Brütlinge von allen Fischen gefressen, selbst Lauben vernichten da ganze Schwärme im Handumdrehen. Mit diesem Wissen kann man sich vorstellen, welche Schäden der Wellenschlag durch Schiffe und Motorboote verursacht.

Für junge Forellen sind Koppen- und Aalrutten-Larven eine ganz wichtige Erstnahrung. Da sieht man erst, welche Irrmeinung generationenlang vertreten wurde. Äschenbrut hält sich dem Alter angemessen in verschieden seichten Uferbreichen auf, aber allen ist gemeinsam, die Strömung muss sehr gering sein. Hauptnahrung sind kleinste Kriebelmücken- und Zuckmückenlarven, die teilen sie sich mit den kleinen Forellen. Hasel sind auch später keine Nahrungskonkurrenz, die halten sich viel weiter draußen auf.

 

Großer Fisch – große Nahrung

Mit dem Heranwachsen der Fische werden auch die Nahrungstiere größer. In Bächen und Flüssen sind Zuckmückenlarven noch immer die Hauptnahrung. Sie leben im Schotter, die Dichte kann bis zu 1.000 Tiere pro Quadratdezimeter sein. Außerdem werden bereits andere Insektenlarven gefressen, wie Eintagsfliegenlarven und ähnliches. Fische in stehenden Gewässern machen je nach Art noch immer Jagd auf Plankton, jetzt allerdings auf alles, Wasserflöhe, Hüpferlinge usw., und nehmen auch schon Anflug von der Oberfläche. An Insektenlarven nehmen sie die Larven von Büschelmücken, Ruderwanzen („Wasserzikaden“) und Gnitzen, alle haben kiemenähnliche Atmungssysteme und stehen damit tiefer. Unter der Oberfläche dezimieren die Fische die Larven der Stechmücken, die atmosphärische Luft atmen müssen. Oder die Fische gehen zur Grundnahrung über. Dort unten ist der Tisch besonders reich gedeckt. Die Schlammröhrenwürmer oder Tubifex werden allgemein bekannt sein. Auch im stehenden Gewässer sind Zuckmückenlarven extrem häufig. Die Menge solcher Bodentiere kann angeblich bis zu 1 kg/m² betragen. Mit einem Jahr nehmen Fische wie Schleie oder Karpfen auch schon kleine Muscheln und Schnecken.

Je größer die Fische werden, umso größere Beute können sie bewältigen. Egel und Wasserwürmer, Wasserasseln, Flohkrebse, Steinfliegen- und Köcherfliegenlarven, und vor allem eine breite Palette an Schalentieren gehören zur Nahrungspalette. Dem Namen nach bekannt wird die Plötzenschnecke sein. Das ist eine Federkiemenschnecke und sieht wie eine 5 mm große Sumpfdeckelschnecke aus. Auch die Schleienschnecke wird öfters beschrieben. Die anderen Arten will ich kurz erwähnen: Die Radix-Arten atmen Luft wie die Posthornschnecken, sehen aber ganz anders aus. Das Gewinde beträgt höchstens 1/6 der Gehäusehöhe, dadurch wirken sie wie bauchige kleine Muscheln. An Muscheln werden vor allem Kleinmuscheln wie die Kugelmuschel, die Häubchenmuschel und die Erbsenmuschel gefressen. Sie werden alle kaum größer als 1 cm.

 

Pflanzenfresser

Alle unsere Friedfische fressen auch Pflanzen; Schleien und Karauschen können als Notnahrung sogar zur Gänze auf diese Kost umsteigen. Rotfedern haben manchmal einen hohen Pflanzenanteil in der Nahrung. Manchmal fressen sie hauptsächlich Wasserlinsen („Entengrütze“), die Ausscheidungen färben das Wasser dann leicht grün trüb. Selbst Forellen fressen einen gewissen Anteil an Wasserpflanzen, vor allem Fadenalgen. Aitel und Nerflinge wieder „klauben“ die erbsenförmigen Früchte von den Büscheln des Flutenden Hahnenfusses.

 

„Raub“fische

Raubfische fressen hauptsächlich kleine Fische. Da gibt es alle möglichen Geschichten, z.B. der Hecht frisst am liebsten Forellen. Das sind Märchen. Aber gewisse Vorlieben gibt es durchaus. Der Schied frisst hauptsächlich Lauben. Über den Wels wird erzählt, dass der vor allem der Schleie nachstellt. Das wird nicht wahrer, auch wenn es alle nachsprechen. Magenuntersuchungen an 2.253 Welsen aus rumänischen Donauauen aus dem Jahr 1943 zeigten vor allem Lauben, Rotaugen und Barsche. Der Fischanteil in der Welsnahrung beträgt übrigens nur rund 60%, der Rest sind Frösche, Käfer, Muscheln, aber auch Wasserratten und Wasservögel. Hechte und Zander nehmen die im Wasser am häufigsten vorkommenden Fischarten. In der Literatur findet man häufig, dass Zander nur kleine und kleinste Fische fressen würden. Jeder erfahrene Angler kann das aus eigener Erfahrung widerlegen, Zander nehmen durchaus auch größere Fische. Aber sie „sammeln“ auch am Grund gerne tierische Nahrung ein, damit sind diese Fische prädestiniert für am Grund liegende Köder wie Fischfetzen. Es gibt eine Theorie, dass durch die Spinnfischerei die „Jäger“ unter den Zandern größtenteils weggefangen wurden und heutzutage daher eher die „Sammler“ beißen.

Hechte und Huchen fressen auch regelmäßig junge Enten, Wasserratten, Frösche etc. wenn sie ihren Weg kreuzen. Im Frühjahr nimmt der Hecht gerne große Wasserwürmer. Dadurch ist der Wurm im Frühjahr gar nicht so empfehlenswert, da man damit in der Schonzeit immer wieder Hechte hakt.

Alle Salmoniden fressen regelmäßig Fische, Huchen, Seeforelle und Wildfangsaibling sind sogar ausgeprägte Raubfische. Entgegen der Literatur musste ich feststellen, dass Äschen ausgesprochen selten kleine Fische annehmen.

Der Barsch frisst von Kleinkrebsen bis zu Jungfischen alles. Er wird häufig als Schädling bezeichnet, dabei ist er wichtig als Vertilger von räuberischen Wasserinsekten sowie als Vertilger von Fischegeln. In unseren Voralpenseen ist Barschbrut sogar ein namhafter Nahrungsbestandteil von Renken und Seesaiblingen. Das wird viel zu wenig bedacht. Genauso frisst die Aalrutte alles an tierischer Kost, was sie erbeuten kann, selbstverständlich auch Fische. Der behauptete große Schaden ist aber ein generationenaltes Ammenmärchen.

Dass fast alle großen Friedfische auch kleine Fische fressen, wurde bereits erwähnt. Nicht nur Aitel, Nerfling und Barbe, auch große Brachsen und Karpfen wurden schon mit kleinen Fischen gefangen. Und als es von ihnen noch große Schwärme gab, bissen Nasen regelmäßig auf den Blinker. Hie und da wird man sogar einen Hasel oder eine Laube auf den Streamer oder den kleinen Mepps fangen.

 

Anflugnahrung

Anflug ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Ernährung mancher Fische. Äschen, Forellen, Saiblinge, Lauben, Aitel, Nerflinge und Sichlinge, sie alle nehmen Insekten von der Oberfläche oder springen sogar danach. Dass auch der Sterlet da mitmacht, wird weniger bekannt sein. In den Strömen Osteuropas machten die Sterletbestände oft über 50% der Fischbiomasse aus. In Romanen wie „Stenka Rasin“ wird beschrieben, wie die Sterlets dort in der Abenddämmerung sogar nach Eintagsfliegen und Libellen sprangen. Beim Schwärmen von Eintagsfliegen holen sich oft auch Grundfische ihren Anteil von der Oberfläche. Selbst Karpfen und Schleien sind da schon an der Trockenfliege gefangen worden. Sogar Aale hat man beobachtet, wie sie sich Eintagsfliegen holten.

Wir haben einige hauptsächliche Planktonfresser – die Renken und die kleinwüchsigen Seesaiblinge, unter den Weißfischen die Laube und der Sichling. Aber auf Grund seiner Größe nimmt der Sichling im Neusiedlersee selbstverständlich auch relativ großes räuberisches Plankton wie Leptodora kindti. Und gelegentlich werden auch kleine Fische gefressen.

 

Laichräuber

Man kann nicht abschließen, ohne auch auf das Thema Laichräuber einzugehen. Die Koppe sei der personifizierte Forellentod, das wurde generationenlang behauptet und selbst heute glauben das noch viele. Bei Magenuntersuchungen an insgesamt 1.305 Koppen wurde eine einzige (!) Jungforelle gefunden. Auch Forelleneier nahmen Koppen aus Bächen bei Aquariumversuchen erst nach langer Zeit an. Damit sollte dieses Ammenmärchen ein für alle Mal erledigt sein. Ganz anders sieht es allerdings in Seen aus. Untersuchungen im Lunzersee zeigten, dass die Koppen zirka ¾ aller Saiblingseier und -brütlinge fressen. Der Rückgang der Seesaiblinge hat aber ganz andere Ursachen.

Als zweiter „Fischtod par excellence“ wird die Aalrutte gesehen. Auch diesem Fisch wird nachgesagt, er würde hauptsächlich Laich und Jungforellen fressen. Als Beweis wurde angeführt, dass im Winter zur Laichzeit der Forellen auch große Aalruttenschwärme in den Laichbächen waren. Das stimmt schon, denn auch die Aalrutte stieg zum Laichen dorthin auf. Aber danach wanderten die Aalrutten wieder stromab, oft hunderte Kilometer weit. Der Forellenlaich und danach die Brütlinge blieben aber viele Wochen lang im Schotter verborgen. Die großen Aalruttenschwärme und die Jungforellen hatten somit keinerlei Berührungspunkte.

Generell zum Thema Laichräuber: Alle Fische fressen auch Fischlaich, ohne Ausnahme. Das wurde vor vielen Millionen Jahren von der Natur so eingeplant. Wir müssten nur dafür sorgen können, dass die Bedingungen wieder naturgemäß sind. Dann würde es Fischmengen wie in Urzeiten geben.