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Der (Fluss-)Barsch

 

Die erste Beute der fischenden Kinder sind unweigerlich Barsche. Obwohl dieser Fisch so bekannt ist, will ich ihn doch noch näher vorstellen. Außer den Abwandlungen von Barsch wie Bersch oder Berschling heißt er auch Schratz oder ähnlich. Im Bodenseegebiet ist er der begehrte Egli, Kapitale heißen dort Rehlig, während er im östlichen NÖ „Peda“ genannt wird – das ist mundartlich für Peter.  

Der Barsch ist auf jeden Fall einer unserer schönsten und buntesten Fische, vor allem wenn es sich um Fische aus klaren, verkrauteten Gewässern handelt. Dann ist der Rücken metallisch schwarzgrün, die große stachelige Rückenflosse hat einen schwarzen Fleck am Ende, die Flanken sind grünlich mit Messingglanz und weisen 6 - 9 dunklen Querbinden auf, die brustständigen Bauchflossen und die Afterflosse sind leuchtend rot. Es gibt wie bei anderen Fischen auch Goldformen, man nennt das Xanthorismus. Statt der dunklen Pigmente hat er rote Farbzellen, zusammen mit den organgegelben Fettzellen bewirkt das dann die Goldfärbung des Fisches. Das ist zwar erblich, aber die Räuber dezimieren solche weithin sichtbaren „Goldfische“. Und Räuber wie Hecht, Zander und Wels fressen Barsche mit Begeisterung, auch wenn diese weitere Stacheln in der Afterflosse haben und die Kiemendeckel scharf und spitz sind. Andererseits ist der Barsch selbst ist ein Raubfisch, hat aber nur Bürstenzähne. Barsche sind sehr kräftige Fische. Der Buckel hinter dem Kopf besteht aus massiver Muskulatur, die am Hinterhaupt ansetzt. Eine Besonderheit ist, dass er dadurch beim Öffnen des Mauls den Kopf hochreißt.

 Barsche halten sich in Gruppen annähernd gleicher Größe auf. Die Jungfischschwärme ziehen in den seichten Uferzonen umher. In Zandergewässern liegen sie nachts aus Vorsicht im Seichten regungslos am Grund (Studie Leibnitz-Institut Berlin). Je größer die Barsche werden, umso räuberischer werden sie. Obwohl dieser Fisch Flussbarsch heißt fühlt er sich in Seen am wohlsten. Dort hat er eine gewisse Vorliebe für Seichtstellen, die sogenannten „Barschberge“. Aus den Seen werden drei unterschiedliche Formen beschrieben: der Krautbarsch im Schlingpflanzendickicht mit der beschriebenen schönsten Färbung. Der Jagebarsch aus dem Freiwasser wirkt hingegen fast nur grau. Das Jagen dieser Schwärme erkennt man schon von weitem daran, dass kleine Fische im Freiwasser fächerförmig auseinander spritzen. Mit zunehmendem Alter wird der Barsch zum Einzelgänger und geht dann bis 50m in die Seetiefe. Diese dunkel gefärbten Fische heißen Tiefen- oder Grundbarsche. An und für sich durchläuft der Barsch alle drei Stadien, aber es gibt sehr wohl Nahrungsspezialisten, die sich nicht daran halten.

Der Barsch ist sehr langsamwüchsig. In den meisten Gewässern braucht er 15 Jahre, bis er 30 cm erreicht, unter besonders günstigen Bedingungen kann er in dieser Zeit auch mehr als 40cm messen. Sein Höchstalter wird mit 18 Jahren angegeben. Die schwersten Barsche wogen zwar über 4 kg, aber in der Praxis ist ein Barsch mit über 1 kg Gewicht bereits eine Sensation. In vielen Gewässern verbuttet er, das heißt, es gibt eine Unmenge von Barschen, die nicht größer als höchstens 15cm werden. Aber ein gesunder Raubfischbestand würde das schnell wieder ins Lot bringen.

Wegen seines langsamen Wachstums und weil kleine Fische zu seinem Beutespektrum zählen, wird der Barsch häufig als Bruträuber und Schädling angesehen. Das ist sehr kurzsichtig. Denn zur Nahrungspalette der Barsche gehören alle möglichen kleinen Räuber wie Wasserinsekten, räuberische Kleinkrebse und Fischegel. Wir dürfen davon ausgehen, was sich jahrmillionenlang bewährt hat, können wir gar nicht verbessern. Und die Barsche sind eine sehr alte Art. Ausgrabungen der Quartärpaläontologen aus Weimar zeigen uns, dass es bereits im Pleistozän (das ist der Zeitraum der letzten 5 oder 6 Eiszeiten, begann vor ca. 1,8 Mio. Jahren) bei uns 3 Urbarscharten gegeben hat. Barsche leben in allen stehenden und fließenden Gewässern mit ausreichendem Sauerstoffgehalt, von der Ostsee bis in 1.000 m Höhe. Das heutige Verbreitungsgebiet des Barsches zieht sich von Europa bis zur Kolyma. Nicht kommt er vor in Schottland, West- und Nordnorwegen, auf der Iberischen Halbinsel, südlich der Poebene und entlang der Adriaküste bis einschließlich Griechenland und der Halbinsel Krim. Mitten im Verbreitungsgebiet, im Siebenstromland in Kasachstan, wird unser Barsch aber vom schlankeren Perca schrenki mit max. 35cm Länge vertreten. In Nordamerika lebt die von unserem Barsch kaum unterscheidbare Art Perca flavescens. Die größte Artenzahl gibt es in Innerasien.

Dem großen Verbreitungsgebiet angepasst zieht sich die Laichzeit von März bis Juni, beginnt üblicherweise bei einer Wassertemperatur von 7 – 8oC. In Fließgewässern erfolgt eine kurze Laichwanderung stromauf. Laut Otto Schindler beträgt die Eizahl 150.000-250.000 Stück/kg Körpergewicht. Die Laichprodukte sind übrigens unpaarig, d.h. nur ein Rogen oder ein Hoden. Das Laichverhalten wird von allen Autoren ziemlich übereinstimmend beschrieben: das Weibchen schwimmt mit angelegten Flossen über große Steine, Wasserpflanzen, Totholz usw. und gibt die Eier in einem bis zu 1 Meter langen und mehrere Zentimeter breiten netzförmigen gallerartigen Laichband ab, ein oder mehrere Männchen folgen und geben die Milch ab. Die Eier haben einen Durchmesser von 1,5 – 2mm, nach dem Quellen sogar 3,5mm. Ich habe den Laichvorgang in unseren Salzkammergutseen oft beobachtet, dort läuft das ganz anders ab, ist aber nirgends beschrieben. Üblicherweise Ende Mai liegen überall im Wasser in 0,75 bis 1,5 m Tiefe auf Steinblöcken und Piloten bewegungslose Barschweibchen herum. Man könnte glauben, die Fische seien tot. Dabei geben sie ganz langsam Pheromone ab. Das kann sich über Stunden hinziehen. Schlussendlich legt sich ein meistens kleineres Männchen neben das Weibchen, manchmal auch T-förmig zu ihr. Irgendwann richtet sich der Rogner dann im Zeitlupentempo auf und laicht in der beschriebenen Art ganz langsam ab. Ebenso langsam folgt das Männchen.

Der Schlupf benötigt 120 – 160 Tagesgrade, je nach Wassertemperatur 2 –3 Wochen, oder in Augewässern bei 16oC 8 bis 10 Tage. Ladiges und Vogt schreiben, Larven blieben 2,5 Wochen am Grund liegen. Faktum ist, die 5 – 6mm langen Larven schlängeln sich sofort nach dem Schlupf mit ihrem langem Schwanz zur Oberfläche, um ein Luftbläschen zu schlucken und in die nur kurze Zeit offene Schwimmblase zu pressen. Das ergibt ein reges „Gewurl“ an der Wasseroberfläche. Das Schwimmen wird durch eine Ölkugel erleichtert. Von Aquarianern wissen wir, nach dem Füllen der Schwimmblase hängen sich die Brütlinge mit den Klebedrüsen an Wasserpflanzen. Mit 7mm beginnen sie zu bereits jagen, obwohl sie noch Reste des Dottersacks und der Ölkugel besitzen. In unseren großen Seen ist Barschbrut eine wichtige Nahrung für die Fische, vor allem für die Renken. Unter guten Bedingungen beträgt das Wachstum der Barsche im 1. Jahr 7,5cm und 4,5 Gramm, im 2. Jahr 12,5cm und 30 Gramm, im 3. Jahr 17,5cm und 80 Gramm, sowie im 4. Jahr 21,5cm und 150 Gramm. Barsche sind übrigens ausgezeichnete Speisefische. Im Ottensteiner Stausee haben 2 Kollegen und ich vor Jahren für ein großes Fischessen in einem halben Tag mit leichten Spinnruten 8 kg Barsche zwischen 28cm und 35cm gefangen. Die Barschdichte ist dort gewaltig. Trotz unserer sicher großen Beutemenge schien das Wasser auch in den nächsten Tagen vor jagenden Barschen förmlich zu „kochen“.

 

Helmut Belanyecz