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Blaubandbärbling

 

Über diesen Fisch wurde in den letzten Jahren viel geschrieben. Daher sollten die Fischer über diesen Neuankömmling auch Bescheid wissen. Er heißt auch Pseudokeilfleckbarbe oder mit dem wissenschaftlichen Namen Pseudorasbora parva. Jetzt kommt diese Art bereits in den meisten Gewässern Österreichs vor.

Das ist ein kleiner, mit den Grundeln verwandter Weißfisch mit großen Schuppen, 32 bis 39 entlang der Seitenlinie - dieses Sinnesorgan ist meistens vollständig, manchmal endet es aber auch 2 oder 3 Schuppen vor dem Schwanzstiel, der Körper ist nur schwach „zusammengepresst“, daher ziemlich kompakt wie ein Hasel oder Aitel. Der Kopf wirkt zusammengedrückt, ist breiter als hoch, am Übergang vom Kopf zum Rücken hat der Fisch einen kleinen Höcker. Dieses Merkmal ist bei Männchen deutlicher ausgeprägt. Die Schnauze ist stumpf. Das Maul ist nach oben gerichtet, der Maulspalt ist regelrecht senkrecht. Entgegen der verbreiteten Annahme hat dieser Fisch keine Barteln. Jungfische und Weibchen haben einen hellgrauen Rücken, manchmal mit grünlichem Glanz, silbrige Flanken und einen weißlichen Bauch. Entlang der Seitenlinie zieht sich ein grauer irisierender Streifen, der von der Körpermitte zum Schwanz am deutlichsten ausgeprägt ist. Die Flossen sind blass, hellgrau und ohne Flecken. Reife Männchen sind hochrückiger, der Streifen ist wesentlich deutlicher, manchmal sogar fast schwarz, Die Flossen sind wesentlich dunkler, vor allem die Rückenflosse. Die Fische werden max. 10 cm lang.

Der Blaubandbärbling stammt aus Ostasien. Heimisch ist er vom Amur-System nach Süden bis zum Perlfluss-Becken, sowie in Südjapan. Diese Fische leben sowohl im stehenden als auch im fließenden Wasser, sie steigen nur bis in die Bäche und Flüsse des Hügellandes auf. Im Jahr 1961 wurden diese „Bärblinge“ irrtümlich mit der Brut von verschiedenen „Graskarpfen“ nach Rumänien gebracht. Andere Quellen sprechen von absichtlichem Besatz. In Rumänien bewährte sich dieser Fisch bald als Futter für fischfressende Vögel, sehr zur Entlastung von anderen Fischarten. Bereits im Jahr 1970 fanden sich Pseudokeilfleckbarben in Ungarn, 1974 in der Slowakei. Im Jahr 1982 wurde der Fisch erstmals in unserem Bundesgebiet in NÖ in der March und in der Donau festgestellt. Dr. Ahnelt befasste sich intensiv mit dieser Art und konnte relativ schnell dokumentieren, dass sich dieser Fisch weiter ausbreitet. Selbst in der Äschenregion der Fischa-Dagnitz stellte Dozent Keckeis bald danach eine Pseudorasbora fest. Woher waren diese Fische gekommen und vor allem, wieso hatten sie sich so schnell ausgebreitet?

Eine Theorie ist, dass die Pseudokeilfleckbarben bei uns irrtümlich gemeinsam mit chinesischen Grasfischen eingebracht worden wären. Diese These hinkt, denn in den 80er-Jahren wurden schon lange keine Grasfische mehr besetzt. Theorie Nummer 2 ist, dass Blaubandbärblinge an mehreren Orten mit anderen Besatzfischen aus Osteuropa eingeschleppt wurden. Der optimalen Ertragslage wegen wird seit Jahrzehnten von Ungarn ausgehend in Osteuropa eine Mischfischzucht mit Karpfen, Schleien, Amur, Tolstolob und anderen Fischen durchgeführt. Die Blaubandbärblinge kamen mit den Grasfischen in die dortigen Teiche. Es wurde in den Raum gestellt, dass die Blaubandbärblinge mit dem Transportwasser für Karpfen, Schleien, Welse, Hechte oder Zander ohne unser Wissen zu uns mitgeliefert worden wären.

In beiden Fällen schwingt im Hintergrund mit, die Fischer seien schuld am Einschleppen der neuen Art in Österreich. Dem halte ich entgegen: 1974 wurden diese Fische in der Slowakei festgestellt. Aus slowakischen Zuchtanstalten sind sie in die March gelangt, von dort in die Donau, und seitdem breiten sie sich immer weiter westlich aus. Aber erst als man sie gezielt gesucht hat, hat man sie überall festgestellt. Mittlerweile kommen diese Fische fast überall in Europa vor. 

Nahrung: Jungfische ernähren sich von Plankton, erwachsene Exemplare fressen sowohl Plankton als auch Bodenorganismen, was immer das entsprechende Wasser als Hauptnahrung bietet. Die wenigen Magenuntersuchungen zeigten: in stehenden Gewässern dominiert Plankton als Nahrung, in Fließgewässern werden hauptsächlich Zuckmückenlarven, aber auch Wasserasseln gefressen.  

Laichverhalten: Im Jugendstadium sind beide Geschlechtsanlagen vorhanden, erst mit der Reife entwickeln sich die Fische zu Männchen oder Weibchen. Bei uns wird diese Art mit einem Jahr laichreif. Die Laichzeit findet in Rumänien zwischen April und Juni, in der Slowakei aber von Mitte März bis Ende Juni statt,

Dr. W. Honsig-Erlenburg, seines Zeichens Landesfischereiinspektor von Kärnten, führt sogar eine Laichzeit bis September an. Der Laich wird in Portionen abgegeben, bei japanischen Populationen verteilt sich der Laichakt auf 10 Vorgänge, in Europa dürften es weniger sein. Die Eimenge pro Laichvorgang ist in Europa 340 Stück. Die Eier sind elliptisch mit einer Länge von 2 bis 2,5 mm und von einer dicken gelatinösen Membrane bedeckt. Abgelaicht wird sowohl in fließendem als auch in stehendem Wasser. Das Weibchen sucht eine freie Stelle mit 5 bis 16 cm Durchmesser mit hartem Substrat aus – Steine, leere Muschelschalen, Wurzeln, etc. Das Männchen versucht dort die Oberfläche des Grundes zu säubern, der Laichplatz wird zu einem Kreis mit einem Durchmesser von 13 bis 31 cm ausgeweitet. Dann versucht das Männchen möglichst viele Weibchen auf diesen Laichplatz zu locken. Die Eier verkleben fest mit dem Untergrund, das Männchen bewacht das Gelege. Die Entwicklung dauert bei 20 Grad Wassertemperatur 6 – 8 Tage. Nach dem Schlupf ist der Embryo 24 Stunden lang gekrümmt, dann streckt er sich und misst nun 5,5 mm. Bereits in diesem Entwicklungsstadium erscheint die Schwimmblase, aber das Maul hat sich noch nicht geöffnet. Der Brütling hat noch einen Rest des Dottersacks, aber beginnt jetzt bereits zu schwimmen. Bereits 3 ½ Tage nach dem Schlüpfen beginnt der Brütling zu fressen.    

Die Ausbreitung des Blaubandbärblings: es zeigt sich der typische Ablauf beim Eindringen einer neuen Art. Das mehrfache Ablaichen fördert diesen Prozess noch zusätzlich. Die neue Art – ganz egal welche - explodiert förmlich, überall stellt man Mengen dieser Neulinge fest. Nach wenigen Jahren bricht diese Überpopulation dann zusammen, die Räuber haben sich des Überbestandes angenommen, die neue Art hat sich angepasst und ihren Platz im Artengefüge gefunden. Diese klassische Entwicklung wurde uns allen vor wenigen Jahrzehnten sowohl bei den Marmorgrundeln als auch bei den Dreistacheligen Stichlingen vor Augen geführt. Das heißt aber keineswegs, dass neue Arten keinen Schaden anrichten können, sie könnten neue Krankheiten oder fremde Parasiten einschleppen, oder sie können auch einheimische Arten ausrotten - sehen wir uns das Werk der Ratten auf Neuseeland oder der Kormorane bei uns an! Übrigens, auch der Kormoranbestand würde von selbst zurückgehen, allerdings erst dann, wenn die Süßwasserfischbestände verschwunden sind. Denn beim Kormoran fehlen die Fressfeinde. Aber zurück zum Blaubandbärbling. Durch diesen Neuling trat zum Glück kein Schaden auf. Dafür sollten wir dankbar sein und mithelfen, in Zukunft jegliches Risiko zu vermeiden. Es gibt in Österreich genug ausgezeichnete Fischzüchter. Der Fischgesundheitsdienst und die heimischen Qualitätsbetriebe garantieren dafür, dass beim Kauf österreichischer Besatzfische keine Krankheiten und Parasiten in unsere Fischwasser eingeschleppt werden können.

 

Helmut Belanyecz