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Biologie & Verhalten

 

 

n     Kormorane weltweit

n     Unterarten des Kormorans Phalacrocorax carbo in Europa

n     Kormoran-Biologie im Überblick

n     Ein "Spezialisierter Nahrungs-Opportunist"

n     Zur Jagdweise des Kormorans

n     Ein ausgesprochener Kolonievogel

n     Bevorzugtes Habitat

n     Brutverhalten und Fortpflanzung

n     Kormorane sind Zugvögel: "Im Winter nach Süden"

n     Was macht den Kormoran so effizient (und gefährlich)?

 

 

 

Kormorane weltweit

 ernähren sich ausschließlich von Fischen, alle Arten sind ausgesprochene Kolonievögel  

 

Nur eine einzige Art davon kommt auch in unserem Raum vor: Der Große Kormoran, wissenschaftlicher Name Phalacrocorax carbo.

 

 

 

 

 

Phalacrocorax carbo

 

 

 

Dieser 'eigentliche' Kormoran ist die größte aller Kormoran-Arten,

 

Ein ausgesprochener Großvogel,

bis 98 cm groß und 3,2 kg schwer.

 

Seine Verbreitung ist keineswegs auf Europa beschränkt. Im Gegenteil - er ist einer der weltweit verbreitetsten Vögel. Mit seinen sieben Unterarten kommt er von der Ostküste Nordamerikas quer über Europa und Asien bis nach Australien vor, weiters in ganz Afrika von Algier bis Kapstadt.

  

 

Wie aus der Karte ersichtlich ist, fehlt der Phalacrocorax carbo eigentlich nur in Südamerika. (Dort leben dafür andere Kormoranarten, zum Teil in unglaublich großer Zahl. Allein vor der Küste Perus jagen 2,5 Millionen einer einzigen Art.)

Unterarten des Kormorans Phalacrocorax carbo in Europa

Wie und warum die Ornithologen beim Kormoran verschiedene Unterarten unterscheiden, ist eine eigentlich Sache für Spezialisten. Im übrigen sind sich auch die Spezialisten im Detail recht uneinig.

 

Für die Diskussion in Europa spielt es aber eine große Rolle, dass die Ornithologen beim Kormoran Phalacrocorax carbo zwei Unterarten unterscheiden:

    den Phalacrocorax carbo carbo ("atlantische Rasse")

    den Phalacrocorax carbo sinensis ("kontinentale Rasse")

 

Von Körperbau und Aussehen her sind die beiden Unterarten praktisch nicht unterscheidbar. Auch Spezialisten betonen, dass "im Feld", also in freier Natur, eine Unterscheidung nicht möglich ist. Und selbst auf dem Seziertisch sind die Zuordnungsmerkmale nicht eindeutig. Die frühere Annahme, der sinensis habe in gewissen Altersklassen mehr weiße Kopffedern, hat sich nicht bestätigt. Die carbo carbo sind im Durchschnitt etwas größer und schwerer, aber das ist keineswegs ein eindeutiges Kriterium. Neuerdings suchen manche Ornithologen die Unterscheidung der Unterarten am "Schnabelwinkel" festzumachen.

 

Andere Wissenschaftler sprechen überhaupt nicht mehr von Unterarten, sondern nur mehr von "ökologischen Rassen". Dabei beruht die Unterscheidung im wesentlichen darauf, welches Habitat bevorzugt wird. Der carbo carbo kommt vorwiegend an den Küsten des Atlantik vor, während carbo sinensis gleichermaßen sowohl am Meer als auch im Binnenland auftritt.

 

Der sinensis ist "unser" Kormoran.

"Sinensis" bedeutet übrigens "chinesischer" Kormoran - in China und Japan wird die Art vom Menschen zum Fischen abgerichtet.

  

Bezüglich Auswirkungen auf die Fischbestände war die Unterscheidung eigentlich immer irrelevant. Praktisch bedeutsam wurde sie allerdings dadurch, dass die EU-Vogelschutzrichtlinie bis 1996 die beiden Unterarten unterschiedlich klassifiziert hatte:

 

    der Ph. carbo carbo wurde als nicht gefährdet eingestuft

    während der Ph. carbo sinensis in den Anhang I der "gefährdeten Arten" aufgenommen wurde und damit einen besonderen Schutzstatus erhielt

 

Inzwischen hat sich die Kormoran-Population auch im westlichen Kontinentaleuropa so vermehrt, dass von einer Gefährdung wirklich keine Rede mehr sein kann. Inzwischen überdecken sich die Verbreitungsgebiete, in England und Westfrankreich gibt es zunehmend "gemischte" Kolonien. Man könnte also die weitere Diskussion jetzt ruhig den Spezialisten überlassen.

 

 Kormoran-Biologie im Überblick 

Vieles am Kormoran-Problem erklärt sich von selbst, wenn man sich die biologischen Voraussetzungen ansieht.

 

Kormorane sind keine Eisvögelchen. Kormorane sind ausgesprochene Großvögel, jeder einzelne Vogel mit einem enormen Nahrungsbedarf.

 

 

Ökologen sprechen da von einem "Spitzenprädator", also von einer Tierart, die nicht nur an der Spitze der Nahrungspyramide steht, sondern auch keine gleichwertigen Nahrungskonkurrenten und keine natürlichen Feinde mehr hat.

 

Kormorane sind Großvögel - mit entsprechendem Nahrungsbedarf.

n      Die Durchschnittsgröße - gemessen von Schnabelspitze bis Ende der Schwanzfedern - beträgt 87 cm. Wie bei Menschen gibt es größere und kleinere. Männchen sind deutlich größer (80 – 98 cm) als Weibchen (72 – 90 cm).

n      Das Durchschnittsgewicht liegt bei 2,30 kg. Bisher beobachtetes Minimum 1,70 kg, Maximalgewicht 3,20 kg.

n      Entsprechend hoch ist der Nahrungsbedarf – im Schnitt 500 Gramm Fisch pro Tag. Das erscheint hoch, entspricht aber der ornithologischen Faustregel: Landraubvögel brauchen pro Tag rund 10%, Wasserraubvögel rund 20% ihres Körpergewichts.

n      Wieviel Fisch ein Kormoran täglich frißt, war lange ein heißer Diskussionspunkt auch zwischen Vogelkundlern. Natürlich kann das von Tag zu Tag schwanken und ist weiters abhängig davon, wieviel Energie fürs Fliegen und Tauchen verbraucht wird.

n      Inzwischen herrscht aber weitgehende Übereinstimmung, auch innerhalb der Ornithologie: Die 500 Gramm ein guter, realistischer Richtwert für den durchschnittlichen Tagesbedarf eines durchschnittlichen Kormorans.

 

Ein halbes Kilo pro Tag macht rund 180 Kilo Fisch pro Jahr. Das entspricht dem Nahrungsbedarf eines doppelt so großen Steinadlers. Das ist mehr als die Jahres-Fischentnahme von 20 durchschnittlichen Anglern. (Bitte kursiv: Zum Vergleich: Der Durchschnitts-Österreicher verzehrt pro Jahr 98 kg Fleisch und 3 ½ kg Fisch. Insofern ist auch Aussage in Brehms Tierleben von 1882 gar nicht so weit hergeholt: "Ihre Gefräßigkeit übersteigt unsere Begriff. Die einzelne Scharbe nimmt viel mehr Nahrung zu sich als ein Mensch.")

 

Zudem sind Kormorane ausgesprochene Kolonievögel. Das heißt, im Unterschied zu anderen großen "Fischfressern" wie Seeadler oder Fischotter jagen sie nicht in einzeln einem abgegrenzten Revier, sondern kommen in der Regel in größeren, manchmal in sehr großen Trupps.

 

Kormorane sind ausgezeichnete Flieger. Gemessen wurde eine Durchschnittsgeschwindigkeit 54 km/h, Spitzengeschwindigkeiten bis 70 km/h. Wenn ein bestimmtes Gewässer nicht mehr genügend Fische hergibt, wechseln sie zum nächsten. Das ermöglicht ihnen, de facto die gesamten Nahrungsressoucen Europas zu nutzen.

 

Kormorane sind höchst effiziente Taucher. Wenn sie Fische im 1 m Tiefe finden - gut. Aber wenn nicht, können sie bis zu 40 m tief tauchen. Und finden - wie, ist ein Rätsel - ihre Fischbeute auch im trüben Wasser und absoluter Dunkelheit.

Kormorane sind außerordentlich flexibel. Sie bevorzugen zwar Fische zwischen 15 und 25 cm, aber sie 'spezialisieren' sich nicht darauf - sie nehmen, was in den Schnabel passt, von 4 cm langen Elritzen bis zu Äschen mit 55 cm und 90cm langen Aalen.

 

Kormorane sind außerordentlich flexibel und lernfähig. Vom carbo sinensis wird angenommen, dass er bevorzugt auf Bäumen brütet - aber wenn keine da sind, brütet er genauso am Felsboden. Grundsätzlich bevorzugen die Kormorane bei der Jagd großflächige Gewässer, wo sie problemlos starten und landen können - aber wenn notwendig, lernen sie sehr rasch, vom Ufer aus auch in zugewachsene Kleingewäser einzuwatscheln oder unter den Drähten eines überspannten Fischteiches durchzuschlüpfen. An einem Fischteich in Israel, wo sie untertags konsequent vertrieben wurden, haben sie sich sogar zu "Nachtjägern" entwickelt.

Kormorane sind von Natur aus scheu - aber sie lernen auch sehr rasch, ob es sich bei irgendeinem Lärm nur um Schweizerkracher handelt, von denen keine wirkliche Gefahr ausgeht, oder ob ein Mensch ein wirkliches Gewehr trägt oder nur eine Holzattrappe.

 

Kormorane sind, näher betrachtet, eigentlich auch sehr schöne Vögel. Im Normalfall sieht man sie nur aus der Ferne, da sehen sie einförmig schwarz aus. Aber mit einem guten Fernglas (oder ausgestopft) sieht man, dass die schuppenförmig angeordneten Deckfedern einen wunderbaren grünlich-blauen metallischen Glanz haben.

 

Alles in allem, Kormorane sind faszinierende Vögel 

Aber wenn ein Trupp Kormorane an einem mittleren und kleineren Gewässer auftaucht, können sie aufgrund ihrer effizienten Jagdweise binnen weniger Tage einen Gumpen buchstäblich bis zum vorletzten Fisch ausräumen.

Und deswegen ist der Kormoran - leider - auch ein "Problemvogel"

 

Ein "spezialisierter Nahrungs-Opportunist" 

Kormorane ernähren sich ausschließlich von Fischen. (Um ganz genau zu sein: In den Mägen von am Meer geschossenen Vögeln wurden manchmal auch Reste von Krabben gefunden. Aber das sind ganz seltene Ausnahmen.)

 

Insofern sind sie "Nahrungsspezialisten", jedenfalls im Vergleich zu anderen Fischfressern wie dem Graureiher oder Fischotter, bei denen auch Frösche, Mäuse und Ähnliches einen beträchtlichen Teil der Beute ausmachen können.

 

Aber was bestimmte Fischarten betrifft, so sind Kormorane absolut nicht wählerisch. Sie nehmen alles, was im jeweiligen Gewässer vorkommt und und am leichtesten erbeutbar ist.

 

    Bei einem Kormoran in der Schweiz enthielt der Magen 300 Kleinfische von 2 cm Länge.

    Andererseits wurden Aale bis 90 cm, Aitel, Barben, Äschen bis 55 cm und 1 kg Gewicht gefunden.

Im Schnitt werden mittelgroße, 15 - 25 cm lange, eher schlanke, helle (= gut sichtbare), im Freiwasser lebende Schwarmfische am häufigsten bejagt. Das ist aber keine Spezialisierung, sondern erklärt sich daraus, daß der Kormoran so wie jedes Tier versucht, seinen Hunger mit möglichst geringem Energieaufwand zu stillen.

 

Die Ornithologen bezeichnen den Kormoran daher gerne als "Nahrungs-Opportunisten" (obwohl das, siehe oben, im Vergleich zu Reiher und Otter eigentlich irreführend ist.)

Zur Jagdweise des Kormorans

 

Kormorane sind Tauchjäger.

Sie schwimmen an der Oberfläche, suchen nach "fischverdächtigen" Stellen und tauchen den Fischen dann nach.

Unterwasseraufnahmen zeigen, dass die Vögel bei der Verfolgung von Fischen erstaunliche Geschwindigkeiten erreichen.

Wenn der Kormoran einen Fisch mit dem Hakenschnabel gefaßt hat, muß er auftauchen und sich den Fisch so zurechtrichten, daß er ihn Kopf voran verschlingen kann. Bei kleinen Fischen geht das meist ohne Probleme, größere Fische scheinen relativ oft zu entkommen - allerdings nicht ohne Verletzungen.

 

 

Erstaunliche Tauchleistung

Die maximale Tauchzeit ist 90 Sekunden. Kormorane können bis 40 m tief tauchen (Beweis: Toter Kormoran in einem auf 40 Meter Tiefe ausgelegten Netz im Zürcher See). Solche Tiefen werden - weil zu energieintensiv – sicher nur ausnahmsweise aufgesucht. Die übliche Tauchtiefe beträgt 1 bis 10 Meter, aber auch 15 bis 20 Meter sind offenbar kein Problem (Untersuchung an einem holländischen Baggersee: Laut Echolot befanden sich die Fische in 15 bis 20 Meter Tiefe, die Kormorane brauchten im Schnitt nur 45 Sekunden, um danach zu tauchen und mit einem Fisch im Schnabel wieder an die Oberfläche zu kommen. In dieser Tiefe gibt es praktisch keinen Lichteinfall mehr, wie sie die Fische dort so zielsicher orten, ist ein Rätsel – aber es ist ein Faktum.)

           

 

Eine Besonderheit: Gemeinsames Jagen
Kormorane jagen gerne in größeren Trupps, wobei sie eine eine Kette oder einen Halbkreis bilden. Die Fische werden entweder in der Mitte zusammengetrieben oder sie gegen ein Hindernis (Staumauern, Ufer) gedrängt.
Am Zürcher See wurden 4.000 Kormorane, am holländischen
Ijsselmeer wurden 10.000 Kormorane bei gemeinsamer Treibjagd beobachtet.
Der größte dokumentierte Jagdtrupp in Niederösterreich wurde im Winter 1994/94 an der Gölsen beobachtet – 500 Vögel an einem kaum 10 Meter breiten Flüßchen.
In der Ornithologie wird diese Jagdweise als "soziales Jagen" bezeichnet (englisch "social hunting"), was aber mit dem gängigen Begriff von "sozial" wenig zu tun hat. Sowohl bei der Jagd wie innerhalb der Kolonien folgt die Hackordnung dem "Recht des Stärkeren".

 

Nach der Jagdkormroan_rast.jpg (7897 Byte)
Das Gefieder der Kormorane hat keine wasserabweisende Fettschicht. Das zwar erleichtert das Tauchen, die Vögel können sich aber daher nur kurz im kalten Wasser aufhalten. Nach erfolgreicher Jagd legen die Kormoran eine Ruhepause ein, um die Federn zu trocknen. Dabei nehmen sie eine ganz typische Haltung ein, in der sie oft stundenlang verharren (siehe Bild)

 Diese Rastpausen dienen auch dazu, die Beute zu verdauen, da sie mit vollem Magen schlecht fliegen können. Werden die Vögel gestört, kann man regelmäßig beobachten, daß sie die Fische auswürgen, um leichter abfliegen zu können.

Ein ausgesprochener Kolonievogel

Kormorane sind – wie viele Meeresvogelarten - ausgesprochene Kolonievögel. Wenn sie auftreten, dann fast immer in größeren bis sehr großen Trupps. Im Gegensatz zu anderen Raubvögeln, die einzeln oder paarweise ein bestimmtes Revier besetzen, konzentrieren sich Kormorane in oft riesigen Kolonien (die derzeit größte Kolonie Europas in Katye Rybackie / Polen zählt fast 10.000 Brutpaare).
Auch in den Überwinterungsgebieten finden sie sich gerne  zur Übernachtung auf zentralen Schlafplätzen zusammen. An der Donau können auf drei Bäumen dichtgedrängt bis zu 800 Vögel beobachtet werden.
Aber auch in dieser Beziehung zeigt der Kormoran eine außerordentliche Anpassungsfähigkeit. Bis vor zehn, fünfzehn Jahren, als sie noch nicht so häufig waren, lebte der Großteil tatsächlich in Großkolonien. Im Laufe der Jahre wurde aber der Platz (und auch der Fischbestand) an diesen "traditionellen" Standorten zunehmend knapper. Mit der weiteren Ausbreitung gründeten die "überzähligen" Kormorane mehr und mehr neue Kolonien, die fast durchwegs kleiner geblieben sind als die ursprünglichen "Mutterkolonien". Mit ziemlicher Sicherheit liegt der Grund dafür darin, dass eben die Bedingungen an den neuen "Ausweich-Standorten" nicht so optimal sind. Nicht alle Gewässer haben einen so dichten Fischbestand, dass sie eine Kolonie von 1.000 Brutpaaren plus Junge ernähren können.
Der gleiche Trend zur Aufsplitterung in kleinere Schlafplätze zeigt sich auch in den Überwinterungsgebieten.
 

Bevorzugtes Habitat

Wenn sie die Wahl haben,  bevorzugen Kormorane möglichst großflächige Gewässer. Das erklärt sich aus ihrer ausgeprägten Neigung zu möglichst großen Kolonien. Eine Ansammlung von 1.000 Vögeln benötigt pro Tag 500 kg, pro Monat 15.000 kg Fisch. Die Kormorane suchen daher ihren Schlafplatz an einem Gewässer, wo sie diese Menge tatsächlich erjagen können, ohne zu weit fliegen zu müssen.
Das ideale Habitat des Kormorans sind Meeresküsten, flache Seen in Meeresnähe, Flußmündungen und nicht zu tiefe Stauseen. Wichtig - vor allem während der Brutzeit - ist ein dichter Bestand an kleinen Schwarmfischen.
Wie gesagt, wenn sie die Wahl haben, bevorzugen die Kormorane großflächige Gewässer. Dass sie in den letzten Jahren mehr und mehr an kleine und kleinste Gewässer einfliegen, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Fischbestände an den großen Gewässern für die vielen Kormorane nicht mehr ausreichen.

Brutverhalten und Fortpflanzung

Kormorane werden mit drei bis vier Jahren geschlechtsreif. (Jungvögel erkennt man an der weißen Bauchseite, erst bei Adulten ist auch die Vorderseite vollständig schwarz durchgefärbt. Im übrigen beginnen nicht alle geschlechtsreifen Kormorane gleich zu brüten).

 

Die Brutzeit beginnt im März/April, in nördlichen Ländern klimabedingt auch später. Die Kormorane kommen dann aus ihren Winterquartieren in die Kolonien zurück, wobei die älteren Männchen meistens als erste zurückkehren. (Wer früher kommt, hat bessere Chancen bei der Wahl des Nistplatzes und des Partners.)

 

Kormorane brüten und sorgen für die Jungen paarweise, bilden aber nicht wie etwa Graugänse eine lebenslange Verbindung, sondern finden sich jeden Frühling zu neuen Paaren zusammen. (Im übrigen lassen sich die Weibchen bei zwischenzeitlicher Abwesenheit ihres Partners durchaus auch von anderen Männchen begatten.)

 

Nach der Balz und Partnerwahl beginnt der Nestbau. Bei der Wahl des Nistplatzes gibt es einen charakteristischen Unterschied zwischen der "atlantischen Rasse" (Ph. carbo carbo) und der "kontinentalen Rasse" (Ph. carbo sinensis): Der carbo carbo ist fast durchwegs ein Bodenbrüter, der seine Nester auf Felsklippen oder kahlen Schären baut, während der carbo sinensis möglichst hohe Bäume bevorzugt.

 

Es ist allerdings fraglich, ob dies wirklich ein genetisch bedingter Unterschied ist oder einfach damit zusammenhängt, dass es an der Atlantikküste weniger Bäume gibt. Jedenfalls sind in den letzten Jahren im Baltikum, in Finnland und in Schweden mehrere neue Kolonien auf baumfreien Inseln entstanden, wo auch die sinensis-Kormorane am Boden brüten. Auch hier zeigt sich die große Flexibilität des Kormorans (in Belgien wurden sogar schon zwei Nester in einem Hochspannungsmasten entdeckt).

 

Das Weibchen legt in der Regel 3 bis 5 Eier, die Jungen schlüpfen nach drei bis vier Wochen im Legeabstand ("Spätlinge" werden oft aus den Nest gedrängt). Die Jungen werden abwechselnd von beiden Eltern mit Fisch versorgt, den diese in halbverdauten Zustand hervorwürgen. Mit zwei Monaten sind die Jungen voll flugfähig, bleiben aber noch mehrere Wochen danach abhängig von ihren Eltern.

 

Wieviele der geschlüpften Jungen bis zur Flugfähigkeit durchkommen, schwankt je nach Nahrungssituation. Ein extrem niedriger Wert wurde 1993 in einer "überbesetzten" holländischen Großkolonie beobachtet, wo pro Nest nur 0,5 Junge durchkamen. Unter günstigen Bedingungen konnten pro Nest über drei Junge gezählt werden. In der noch jungen Kolonie an der Fussacher Bucht (Vlbg., Bodensee) lag der durchschnittliche Bruterfolg bei 2,0 Jungen pro Nest

 

Im europäischen Schnitt kann ein Bruterfolg von 1,7 Jungen pro Brutpaar angenommen werden. Für einen Vogel dieser Größe ist das eine ganz außerordentlich hohe Fortpflanzungsrate.  

       

Kormorane sind Zugvögel: "Im Winter nach Süden"  

In Europa gibt es zwei Teilpopulationen des " kontinentalen Kormorans": Eine östliche, mit Schwerpunkt Ukraine und Donaudelta, die sich donauaufwärts bis Ungarn erstreckt. Und eine nordwestliche in den Anrainerländern der Kanalküste und der Ostsee. Die hauptsächlichen Brutgebiete des der westlichen Population liegen heute in Holland, Dänemark, Norddeutschland, Polen, Südschweden, den baltischen Staaten und Finnland.
Im Winter ziehen die Kormorane nach Süden – teilweise entlang der Atlantikküste nach Frankreich, Spanien und Nordafrika, teilweise über Mitteleuropa bis ans Mittelmeer.
Zu Beginn des Frühjahrs, im Februar und März, erfolgt die Rückwanderung in die Brutgebiete – welcher Vogel früher dort ist, hat eine höhere Chance,
Österreich liegt in der "Durchzugsschneise" – unsere Kormorane sind also nur zum Teil Dauergäste.

Was macht den Kormoran so effizient (und gefährlich)?

Dass der Kormoran für die Fischbestände und die Fischer ein weit größeres Problem verursacht als etwa der Graureiher und andere fischfressende Vögel erklärt sich weitgehend allein aufgrung seiner biologischen Voraussetzungen:

·      Der einzelne Kormoran hat den höchsten Nahrungs- und Fischbedarf.

·      Als Tauchjäger kann er mit Ausnahme dicht bewachsener Stellen alle Gewässerzonen bejagen.

·      Der Kormoran kann größere und schwerere Fische erbeuten.

·      Kormorane treten immer in größerer Anzahl an einem Gewässer auf.

·      Die gemeinsame systematische "Treibjagd" gewährleistet einen schnellen Jagderfolg.

·      Zusätzlich zu den gefressenen Fischen werden zahlreiche Fische verletzt.

·      Als schneller Flieger wechselt er problemlos zu neuen Jagdgründen, wenn der Fischbestand eines bestimmten Reviers erschöpft ist.

Dazu kommt, dass der Kormoran bei uns kein Standvogel ist. Seine hauptsächlichen Brutgebiete liegen an Gewässern, die weitaus großflächiger und nahrungsreicher sind als unsere österreichischen Fischereireviere. Auch wenn er bei uns im Winter die Fischbestände reduziert - zurück in den Brutgebieten findet er weiter gute Bedingungen und vermehrt sich weiter.