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Kormorane in
Europa
n Europa: Drei Sub-Populationen des Kormorans n Alle drei Sub-Populationen wachsend n Westlicher Sinensis-Kormoran - Historischer Rückblick n Entwicklung ab 1970: Exponentielle Vermehrung
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Brutkolonien (Status 2004/2005)
Die Kormoran-Diskussion ist nur zu verstehen, wenn man die gesamteuropäische Entwicklung betrachtet. Die Ornithologie unterscheidet beim "Großen Kormoran" (Phalacrocorax carbo) sieben Unterarten, die von Nordamerika über Eurasien bis Australien und über ganz Afrika verbreitet sind. Zwei davon kommen auch in Europa vor: 1. der "atlantische Kormoran" Phalacrocorax carbo carbo, die hauptsächlich in Norwegen, weiters an den Atlantikküsten von Großbritannien und Frankreich vorkommt 2. der sogenannte "kontinentale Kormoran" Phalacrocorax carbo sinensis, dessen Verbreitungsgebiet sich über ganz Europa und Asien ersteckt ð Näheres siehe "Kormorane weltweit" Europa: Drei Sub-Populationen des Kormorans Die Situation wird weiter dadurch kompliziert, dass auch innerhalb der europäischen Sub-Population des Sinensis-Kormorans eine weitere Unterscheidung gemacht wird: a) der osteuropäischen Sinensis-Population (mit Schwerpunkt Donaudelta, Schwarzes Meer, Ukraine) b) der westlichen Sinensis-Population - also "unser Kormoran" In der Vergangenheit, als die Kormorane noch selten waren, waren diese Subpopulationen räumlich klar getrennt, inzwischen verschwimmen die Abgrenzungen. Allerdings, bei Diskussionen im Rahmen der EU steht weiterhin die westliche Sub-Sub-Population im Mittelpunkt. Wichtig für die Diskussion ist, dass die Entwicklung in diesen drei Verbreitungsgebieten höchst unterschiedlich verlief: n Der "altlantische Kormoran" war nie gefährdet. Es gibt zwar keine genauen Aufzeichnungen, aber der Bestand war mit größter Wahrscheinlichkeit auch vor 100 oder 200 Jahren nicht viel höher. In Norwegen wurde er zwar immer schon als normales Jagdwild gejagt, auch hat man früher einen Teil der Eier entnommen (und gegessen!). Aber es gab keine großflächigen Verfolgungen (Dazu gab es an den norwegischen und britischen Felsküsten auch wenig Anlass, abgesehen davon, dass es da ziemlich sinnlos wäre).
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Auch die östliche sinensis-Subpopulation war
immer ungefährdet. n Anders die Entwicklung der westeuropäischen Sinensis-Population. Hier kam es seit dem 19. Jhd. aus mehreren Gründen, nicht zuletzt durch gezielte Verfolgung, zu einem massiven Rückgang des Kormoranbestands. In den letzten Jahrzehnten erlebten allerdings alle drei Sub-Populationen eine Phase deutlichen bis phänomenalen Aufschwungs. Alle drei Sub-Populationen wachsend In den letzten zwanzig, dreißig Jahren steigt die Zahl der Kormorane in allen Regionen Europas. Direkt gezählt werden zwar nur die Brutpaare bzw. Brutvögel, die nur einen Teil des Kormoran-Gesamtbestandes ausmachen. Aber die generelle Entwicklung wird deutlich genug.
Am steilsten ist der Anstieg bei der (für uns relevanten) westlichen Subpopulation des Sinensis-Kormorans, relativ flach beim "atlantischen Kormoran". Für die östliche Sinensis-Subpopulation gibt es aus der Vergangenheit keine vergleichbaren Daten, aber ohne Zweifel hat sich auch diese Teilpopulation stark vermehrt.
Kormoran-Brutpopulation - Anzahl
Brutvögel
*) BirdLife International (2004). Birds in Europe, population estimates, trends and conservation status. Cambridge, U.K: BirdLife International. (BirdLife Conservation Series No. 12). Westlicher Sinensis-Kormoran - Historischer Rückblick Der Kormoran ist zweifelsfrei eine heimische Vogelart. Alle historischen Quellen und Vogelbücher lassen darauf schließen, dass er bis 1800 relativ verbreitet war, jedenfalls an großen Gewässern. Im Alpenraum traten sie zwar nachweislich nur als seltene Durchzügler auf, aber in den voralpinen Forellen- und Äschengewässer gab es auch schon damals regelmäßige Einflüge. Das bezeugt zum Beispiel die 1499 von Kaiser Maximilian I. erlassene Fischereiordnung für die oberösterreichische Traun, in der den Fischern ausdrücklich erlaubt wird, die "Schärm und andere Schadtvögel" in Hochnetzen zu fangen. ("Schärm" = Scharben, Scharbe ist der alte deutsche Name des Kormorans) Wo es Berufsfischer oder Fischteiche gab, hat man zweifellos immer versucht, Kormorane fernzuhalten, Brutkolonien zu zerstören und die Entstehung neuer Kolonien zu verhindern. Aber erst im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es zu einem massiven Rückgang der Kormoranpopulation. Eine Hauptursache waren die ersten großen Stromregulierungen, was sowohl für Fische wie fischfressende Vögel den Lebensraum einengte. Zusätzlich wurden die Kormorane nun mit rigoroseren Mitteln verfolgt, mit einer Rücksichtslosigkeit, die uns heute unvorstellbar erscheint. In Preussen und Dänemark wurde sogar das Militär eingesetzt, um Salven in die Kormorankolonien hineinzuschießen. "Ausrottungaller Fischfeinde" war das erkärte Ziel. Im Verständnis der damaligen Zeit war das ganz normal und gerechtfertigt. Sogar "Tiervater Brehm" schrieb damals: "Ihre Gefräßigkeit übersteigt unsere Begriffe, die einzelne Scharbe nimmt viel mehr Nahrung zu sich als ein Mensch. … In Ländern, wo der Mensch zur Herrschaft gekommen ist, können sie nicht geduldet werden." Die gründliche Verfolgung erreichte ihr Ziel. Um 1900 galt der Kormoran in Dänemark und Deutschland als ausgestorben, nur in Holland und Polen sowie an der Donau bei Wien überlebten einige Kolonien. In den folgenden Jahrzehnten pendelte die Zahl der Kormorane im westlichen Kontinentaleuropa zwischen 20.000 und 30.000 Vögeln. Der Tiefpunkt wurde um 1965 erreicht, als auch in den geschützten holländischen Kolonien die Zahl der Brutpaare dramatisch zurückging. Aber ab 1970 zeigte die westliche Sub-Population des "kontinentalen" Kormorans Phalacrocorax carbo sinensis einen fast unglaublich steilen exponentiellen Anstieg. Entwicklung ab 1970: Exponentielle Vermehrung Direkt gezählt werden beim Kormoran nur die Brutpaare (eigentlich: "besetzte Nester") in den bekannten Kolonien. Diese Zählungen sind ziemlich genau, jedenfalls bis Mitte der 90er Jahre, als sich die Kormorane noch auf wenige große Kolonien in fünf bis sechs Ländern konzentrierten. Mit der zunehmenden Ausbreitung in andere Länder und der Aufsplitterung in kleinere Kolonien wurden auch exakte Zählungen schwieriger, wahrscheinlich gibt es eine gewisse Unterschätzung, aber insgesamt sind die Zahlen immer noch relativ zuverlässig. Im westlichen Kontinentaleuropa stieg die Brutpopulation von 1970 bis jetzt von knapp 10.000 auf über 272.000 Brutvögel. Die Gesamtzahl der Kormorane ist natürlich wesentlich höher als die Zahl der Brutvögel, da Kormorane erst im Alter von 3 bis 5 Jahren brüten. Von ornithologischer Seite wurde eine Schätzung des Gesamtbestands zuletzt für das Jahr 1993 publiziert (vom Schweizer Ornithologen Werner Suter). Für die weitere Entwicklung gibt es nur mehr Schätzungen des ÖKF, die im wesentlichen nur die Fortschreibung dieses Suter-Modells darstellen. Siehe nachstehende Grafik.
Die Entwicklung flacht sich zwar ab, weil in den "alten" Brutgebieten die Brutplätze und die Fischbestände knapp werden. Auch werden in mehreren Ländern (u. a. Niederlande, Dänemark, Deutschland) bereits mehr oder weniger zaghafte Maßnahmen zur Bestandsregulierung gesetzt. Aber dafür breiten sich die Kormorane zunehmend in neue Regionen aus. Allein in Finnland hat sich zwischen 2000 und 2005 die Zahl der Brutvögel von 2.400 auf 5.860 verdoppelt. Kein Zweifel: Die Vermehrung der Kormorane geht weiter. Brutkolonien (Status 2004/2005)
Kormorane sind nun in Europa häufiger und weiter verbreitet als vor 250 Jahren, als die Gewässer noch weitaus fischreicher waren. Ein großer Erfolg des Vogelschutzes. Es ist verständlich, daß die Vogelschützer darauf stolz sind. Andererseits ist klar, dass diese große Zahl an Kormoranen nicht ohne Auswirkungen auf die Fischgewässer bleiben konnte.
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