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Kormorane in Österreich

 

    n     Heute häufiger als vor zwei Jahrhunderten

    n     Kormorane in der Fischereiordnung Kaiser Maximilians (1499)

    n     Aus Gessners Vogelbuch (Zürich 1557)

    n     Aufzeichnungen Kloster St. Lambrecht, Steiermark (ab 1840)

    n     Donau - traditionelles Brutgebiet (bis 1971)

    n     Kormorane kommen nun als "Wintergäste"

    n     Neu ab 1990: Einflüge in Forellen- und Äschengewässer

    n     Entwicklung seit 2000

    n     Aktuelle Situation - ein Zeichen erschöpfter Fischbestände

 

 

Heute häufiger als vor zwei Jahrhunderten 

Kormorane sind in Österreich immer vorgekommen - Details dazu später. Allerdings - ein regelmäßiges Vorkommen gab es seit Menschengedenken nur im Umkreis der Donau, eventuell auch am Bodensee. In anderen Regionen wurden sie nur ausnahmsweise beobachtet, so werden sie etwa in Aufzeichnungen des steirischen Klosters St. Lambrecht um 1860 ausdrücklich als "Irrgäste" bezeichnet.

In den letzten 20 Jahren haben sich die Kormorane in Regionen ausgebreitet, wo sie über Jahrhunderte hinweg gar nicht oder höchst selten vorkamen.

 

Karte der Kormoran-Winterschlafplätze: Entwicklung 1980 - 2004

 

 

Diese Ausbreitung ist ganz klar eine Folge dessen, dass der Gesamtbestand in Europa so explosiv auf über 1 Million gestiegen ist.

Die mittleren und kleinen Gewässer des Voralpengebiets sind NICHT das bevorzugte Habitat der Kormorane. Die Äschen- und Forellenreviere sind eigentlich zu nahrungs- und fischarm für einen Daueraufenthalt dieser Großvögel, die Fischbestände sind schnell so erschöpft, dass die Jagd mühsam wird.

WENN es sich die Kormorane aussuchen können, bevorzugen sie großflächige, nahrungsreiche Gewässer des Tieflands und der Meeresküsten. Und solange sie nicht so häufig waren, haben sie das auch getan - Österreich besuchten sie nur kurz auf der "Durchreise" ins Po-Delta und an die Küsten des Mittelmeeres.

Dass jetzt mehr und mehr auch gezwungen sind, in die hintersten Alpentäler einzufliegen, ist ein klares Indiz dafür, dass in ihrem bevorzugten Lebensraum der Beutefisch-Bestand nicht mehr ausreicht.

Kormorane in der Fischereiordnung Kaiser Maximilians 1499

Natürlich gab es im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit keine systematischen Vogelzählungen. Aber bei sachgerechter Interpretation lässt sich auch aus den bruchstückhaften Quellen vieles ablesen. Das Wort "Kormoran" wird man in alten Quellen allerdings vergeblich suchen. Der ursprüngliche deutsche Name war "Scharbe", bereits im Althochdeutschen belegt und bis ins 19. Jhd. gebräuchlich.

Eine sehr frühe schriftliche Erwähnung haben wir schon aus 1499, nämlich die Fischereiordnung von Kaiser Maximilian I. für die oberösterreichische Traun.

Darin erlaubt der Kaiser den Welser Fischern ausdrücklich, die "Schärm und andere Schadtvögel" in Hochnetzen zu fangen ("Schärm" = Scharben).

 

Daraus lassen sich drei Dinge ablesen: 

      Kormorane waren damals durchaus keine Rarität. Der Vogel selbst und sein Name war in dieser Region sicher auch dem einfachen Mann geläufig.

      Kormorane sind auch früher schon in Gewässer der Äschen- und Forellenregion eingeflogen. Auch damals verursachten sie Schäden an den Fischbestände dieser Gewässer und am Ertrag der damaligen Berufsfischer. Dass sie der Kaiser ungeniert als "Schadtvögel" klassifiziert, spricht Bände.

      Die Kormorane sind allerdings nur fallweise eingeflogen. Hätte es eine ständige Brutkolonie gegeben, wäre die Urkunde sicher drauf eingegangen. In diesem Fall wäre es nämlich unsinnig, nur das "Fangen in Hochnetzen" zu erlauben (was eine mühsame Angelegenheit ist) und nicht auch das viel wirksamere Ausräumen der Nester. Wahrscheinlich sind die Vögel also von Kolonien oder Winterschlafplätzen an der Donau eingeflogen, so wie heute, wenn dort durch Hochwässer oder Vereisung die Jagdchancen sinken.

Interessant ist übrigens, warum die Fischer selbst im sogenannten "finsteren Mittelalter" extra eine kaiserliche Erlaubnis brauchten, um "Schadtvögel" abzuwehren. Nun, es gab zwar noch keine EU-Vogelschutzrichtlinie, aber die Jagd war damals ein Privileg des Adels. Und der "Herrschaft" eine mögliche Jagdbeute wegzufangen, war dem einfachen Mann normalerweise streng verboten. Dass hier beim Kormoran und einigen anderen "Schadtvögeln" eine Ausnahme gemacht wurde, liegt daran, dass (anders als heute) niemand an der Gefahr erheblicher Schäden zweifelte. (Nebenbei bemerkt, die Fangerlaubnis galt nicht für Fischreiher - die Reiherjagd mit Falken war nämlich eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen des Adels.)

 

Aus Gessners Vogelbuch (Zürich 1557)

Gessners Vogelbuch ist das umfassendste und berühmteste ornithologische Werk seiner Zeit, Sein Kormoran-Text bezieht sich zwarvor allem den Raum Zürich. Aber da die Kormorane rheinaufwärts in die Schweiz zogen, gilt das meiste zweifellos auch für die Verhältnisse in Voralberg und am Bodensee.

 

 

 

Kormoran-Abbildung in Gessners Vogelbuch von 1557

 

…. In unseren Landen ist ein schwarzer Wasservogel, welcher die Fisch in den Wassern und Seehen jagt und ihnen viel Schadens thut. …

Dieser hat Zähn in seinem Schnabel, welcher als ein Sichel gestaltet ist, mit welchen er die schlipfferigen hälen Fisch hält, als Ääl und dergleichen. Die Äst der Bäumen verdorren von seinem Mist, …

Diese nennen manche einen Wasserrappen 1 ….. Man mag aber auch wol sehen ob dieß der Vogel Meerrapp 2, von den Franzosen Cormarin 3 genennt seye ….

So man diesen am Rhein bey uns siehet, sol es ein Zeichen einer grossen Kälte seyn, daß zu besorgen die Rehen erfrieren; ….

Er kompt fast zu Winterszeit in unsern See 4  und streckt allzeit auch in der grösten Kälte seine Flügel auff.

… man sagt daß dieser Vogel ein gantz starken und woldäuwenden Magen habe; darumb man gemeiniglich von einem frässigen Menschen sagt, er habe einen Scharbenmagen.

 

1) Wasserrapp = Wasserrabe
2) Meerrapp = Meerrabe,
3) Cormarin, von Lateinisch "Corvus marinus"= "Rabe des Meeres"
4) Zürcher See

 

Gessners Vogelbuch beweist: 

                  im Schweizer Raum kam der Kormoran nur als "Wintergast" vor
           
      und zwar nicht immer in großer Zahl, sondern hauptsächlich in strengen Wintern  

 

Auch weiter rheinabwärts waren Kormorane vor 350 Jahren nicht regelmäßig präsent. So schreibt der Strassburger Fischer und Vogelbuch-Verfasser Leonhard Baldner um 1653: "ein scharff ist bei uns unbekannt und es gibt deren auch anderswo nicht viel …"

 

Aufzeichnungen Kloster St. Lambrecht, Steiermark (ab 1840)

Natürlich haben wir aus vergangenen Jahrhunderten keine flächendeckenden Zählungen. Aber über die Vogelwelt einzelner Regionen gibt es bereits im 18. und 19. Jahrhundert sehr detaillierte Aufzeichnungen, häufig durch naturwissenschaftlich hochgebildete Mönche.

Es wäre sicher aufschlussreich, die verschiedenen Klosterarchive einmal gezielt bezüglich Kormoran durchzustöbern. Aber auch die bisher aufgearbeiteten Beispiele zeigen deutlich genug: Kormorane waren damals in vielen Regionen (u. a. Tschechien und Bayern) weitaus seltener als heute.

Aus Österreich dazu ein besonders gut dokumentiertes Beispiel: Die Aufzeichnungen des Benediktinerstifts St. Lambrecht in der Steiermark, Bezirk Murau.

Ab 1834 widmete sich hier Pater Blasius Hanf intensiv der Erforschung der Tierwelt, insbesondere der im weiteren Umkreis vorkommenden Vögel. Er führte nicht nur akribische Aufzeichnungen, sondern legte auch eine umfangreiche Sammlung von insgesamt 1522 ausgestopften Vögeln aller vorkommenden Arten an, die jetzt noch den Kern der Vogelkundlichen Sammlung des Klosters bilden. Auch nach seinem Tod 1892 wurden die Beobachtungen durch andere Patres weitergeführt.

Der nachstehende Auszug aus Original-Auswertungsbögen des Klosters zeigt, in welchen Jahren welche Vogelart zumindest einmal in der Region beobachtet wurde (Quelle: Vogelkundliche Sammlung St. Lambrecht, Übermittl. der Detailunterlagen J. Köpfelsberger).

 

  

Im Zeitraum von 1840 bis 1934 wurden nur in vier Jahren überhaupt Kormorane gesichtet. Im Schnitt also nur jedes 25. Jahr.  

Sogar Sterntaucher, Rothalstaucher, Nacht-, Seiden-, Rallen- und Purpurreiher sind häufiger vorgekommen als der Kormoran.  

Im übrigen bezeichnet Blasius Hanf den Kormoran ausdrücklich als "Irrgast". Und seine fachliche Kompetenz steht wohl außer Zweifel - nicht ohne Grund hat der Wiener Ornithologische Verein ein Denkmal zu seinen Ehren gestiftet.

Donau - traditionelles Brutgebiet (bis 1971) 

Im Bereich der Alpen und an unseren Voralpen-Gewässern war der Kormoran in früheren Jahrhunderten nur ein relativ seltener "Durchzügler".

Anders an der Donau, jedenfalls in NÖ und speziell östlich von Wien. Der Strom mit seinen (damals noch) ausgedehnten Auen und fischreichen Altwässern war zweifellos immer ein klassisches Kormoran-Siedlungsgebiet.

Noch um 1900,als der Kormoran in Dänemark und Deutschland schon als ausgestorben galt, hielten sich in den Auwäldern unterhalb Wiens und an der March noch zahlreiche Brutkolonien. Diese standen sicher in Verbindung mit weiter stromab gelegenen Kolonien an der ungarisch-slovakischen Donau. Auch hier wurden die Vögel lokal verfolgt, fanden aber noch genügend Ausweichplätze. So schreibt Naumann (Naturgeschichte der Vögel Mitteleuropas, 1903): " ... werden die Kolonien so stark, daß sie der Fischerei kolossalen Schaden thun, und tritt Ausrottung seitens des Menschen ein, so ziehen die übriggebliebenen nach anderen Nistplätzen. …. In unkultivierten Landgegenden wie Ungarn so viele hat, kümmert man sich wenig um sie, weil dort die Gewässer ohne Zutun des Menschen meistens buchstäblich von Fischen wimmeln."(Hennike, Enzyklopädie der Vögel Mitteleuropas (1903), zit. nach Eisner, p. 72.)

Überhaupt ist anzunehmen, dass die österreichischen Kormorane keine Verbindung zur westlichen Teilpopulation an den Küstenregionen der Nord- und Ostsee hatten. Vielmehr handelte es sich nach Meinung namhafter Ornithologen (u. a. Zuna-Kratky, mündl. Mitt.) bei unseren Kormoranen um das äußerste westliche Verbreitungsgebiet der osteuropäischen Teilpopulation, deren Schwerpunkt am Schwarzen Meer, in Rumänien und Ukraine liegt. Schon für Oberösterreich sind Brutkolonien nicht zweifelsfrei belegt. Und weiter donau-aufwärts bis Bayern sind die Kormorane sicher nicht gekommen - in ganz Bayern gibt es aus historischer Zeit keinen Hinweis auf Brutkolonien. (Dort waren Kormorane um 1860/80 auch als Durchzügler nicht häufig, J. Jäckel bezeichnet sie in seiner 'Systematischen Übersicht der Vögel Bayerns' als "seltene Gäst".)

Auch für die Zeit nach dem 1. Weltkrieg bis 1971 sind durchgehend Brutkolonien belegt.

1919 brüteten rund 300 Paare in der Lobau bei Wien, zusammen mit Jungvögeln zählte die Kolonie an die 1.200 Kormorane. Damals gab es noch mehrere Berufsfischer, deren Fangergebnisse allerdings stark zurückgegangen waren - wahrscheinlich hauptsächlich als Folge der Donauregulierungen, aber zum Teil auch wegen der Kormorane. Immerhin entsprach der Nahrungsbedarf der Kolonie dem Jahres-Ausfang von acht Erwerbsfischern. Forderungen der Berufsfischer (und auch einiger Angler) nach Reduktion der Kolonie führten zu intensiven Diskussionen mit Naturschutzorganisationen. Scvhließlich wurde nach Beschluss der Landesregierung die Kolonie von 300 auf 80 Brztpaare reduziert.

Teile der Kolonie wichen kleinräumig in die Orther und Tullner Auen aus, eventuell auch bis an die oberösterreichische Grenze bei Wallsee. Um 1927 wurde die Lobauer Kolonie dann völlig aufgegeben.

Aus der Zeit 1940/45 ist die Gründung von zwei neuen Kolonien belegt. Eine bei Raffelstetten in der Nähe von Linz, die Kolonie wurde 1955 vertrieben. Die andere bei Marchegg an der March, die zwar immer klein blieb (nie über 10 Brutpaare), aber bis 1971 besetzt war.

Möglicherweise gab es noch andere Kolonien, die bloß nicht dokumentiert sind. Bei Korneuburg waren Kormorane jedenfalls auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch regelmäßig zu sehen. Russische Bestzungsoffiziere machten sich einen Sport daraus, die Vögel mit Pistolen abzuschießen (münd. Mitt. Kurt Broneder senior).

Ab 1954 etablierte eine kleinere Kolonie mit 15 bis 20 Brutpaaren bei Orth an der Donau, in der etwa 15 bis 20 Paare über zehn Jahre lang am gleichen Platz - offenbar ungestört - brüteten. Die Kolonie erlosch 1965, warum, ist unbekannt. Dass sie schließlich doch gestört wurden, ist zwar möglich, kann aber nicht der ausschlaggebende Grund gewesen sein (die Vögel hätten ja in der Stopfenreuter Au genug Platz zum Ausweichen gehabt). Wahrscheinlicher ist, dass es mit dem Rückgang der Fischbestände zusammenhing.

Zur Illustration: Noch 1925 fingen die nö. Berufsfischer im Schnitt über 20.000 kg pro Jahr, nach 1955 fing kein einziger Fischer, trotz verbesserter Technik, mehr als 9.000 kg. Zur gleichen Zeit, als die Orther Kormorankolonie erlosch, hat auch der letzte Orther Berufsfischer aufgegeben, weil die Fangerfolge die Arbeit nicht mehr lohnten.

Wie erwähnt - auch die Marchegger Kolonie wurde nach 1971 nicht mehr besetzt. Damit endete die jahrhundertelange Präsenz des Kormorans als Brutvogel an der Donau. Abgesehen von einem zaghaften Brutversuch um 1988 (zwei Paare im WWF-Reservat an der March) ist es bis heute dabei geblieben.

Zwar gibt es seit einigen Jahren zwei Brutkolonien in Österreich, je eine am Bodensee und am Neusiedlersee, aber keine Koloniegründungen an der Donau.

Warum, ist eigentlich ein Rätsel. Nach menschlichem Ermessen bietet doch der Nationalpark Donau Auen optimale Bedingungen: Nistbäume im Überfluss, Störungsfreiheit garantiert. 1996 hat das ÖKF in seiner Kormoran-Resolution ausdrücklich erklärt, man unterstütze den Wunsch des Vogelschutzes nach einer Ansiedlung einer Kolonie im Nationalpark. Das ist traditionelles Kormoran-Habitat, wenn irgendwo, dann dort.

Aber obwohl seit drei Jahrzehnten jeden Winter Tausende Kormorane die dortigen Winter-Schlafplätze nützen - kein einziges Paar will zum Brüten dort bleiben. Die Vermutung, dass es doch etwas mit einem zu mageren Fischbestand zu tun hat, liegt jedenfalls nahe.

Man kann eben Vögeln nicht vorschreiben, wo sie hinfliegen sollen, und auch nicht, wo sie brüten sollen.

Kormorane kommen nun als "Wintergäste"

Als es noch Brutkolonien gab, waren die Kormorane "Frühlings- und Sommervögel". Sie kamen ab Ende Februar an die Brutplätze, zogen die Jungen auf und flogen September/Oktober wieder weg.

In der Folge kamen die Vögel lange Jahre nur im Winterhalbjahr nach Österreich.

1979/80 gab es drei Winter-Schlafplätze, alle an den Außengrenzen Österreichs gelegen, zwei davon streng genommen eigentlich im Ausland: Einen am Bodensee im Rheindelta, einen am Inn-Stau (auf bayrischer Seite) bei Ering-Frauenstein und einen unterhalb von Hainburg (im damals tschechoslowakischen Grenzstreifen vor Theben). Belegt ist ferner ein kleiner Nebenschlafplatz in der Kronau westlich von Tulln ab 79/80 (Straka, Vogelschutz p 56). Die Zahl der Vögel war gering, kaum jemals über 100 Stück, außerdem blieben sie nur wenige Wochen und suchten ihre Nahrung ausschließlich im engeren Umkreis der Schlafplätze.

 

 

Bis 1989 bildeten sich zwei neue Hauptschlafplätze an der Donau (Zwentendorf, Wallsee) und ein Nebenschlafplatz am Enns-Stau bei Staning. Der Mittwinterbestand 1989 betrug 1.400 Vögel, die maximal bis Ende März blieben.

 

 

In der Folge stieg die Zahl der Kormorane steil an. Entlang der Donau bildeten sich mehrere neue Schlafplätze, erstmals auch ein Schlafplatz in der Steiermark. Im Jänner 1995 betrug der Bestand bereits 3.500 Kormorane, Jänner 1996 waren es über 4.000.

 


 

Neu ab 1990: Einflüge in Forellen- und Äschengewässer

 Die Karte der Schlafplätze zeigt nur, wo die Kormorane schlafen. Entscheidend für die Beurteilung der Situation ist aber, wo die Kormorane jagen und fressen. Die folgenden Karten zeigen zusätzlich zu den Schlafplätzen auch die Schwerpunkte der Kormoran-Präsenz an den Nahrungsgewässern in Niederösterreich.

 

 

Bis Anfang der 90er Jahre flogen die Kormorane nur in Ausnahmefällen in Salmonidengewässer ein. In den Folgewinter stiegen sowohl die Häufigkeit der Einflüge wie die Truppgrößen dramatisch an.

 

 

Diese Entwicklung gilt nicht nur für Niederösterreich, sondern - sogar einige Jahre früher - auch für Oberösterreich.

Fallweise jagten Trupps bis zu 500 Vögel an Gewässern von kaum 20 m Breite. Dabei wurden Flugdistanzen über 40 km von und zum Schlafplatz zurückgelegt - ein klares Indiz für Futterknappheit im Umkreis der traditionellen Schlafstellen.

Es gibt aus dieser Zeit eine Kormoran-Studie des WWF (ZUNA-KRATKY & MANN, 1994), die im empirischen Teil hervorragend ist. Die Analyse der Schlafplatz-Bestandszahlen in Abhängigkeit von den Witterungsverhältnissen zeigt sehr deutlich, daß die Kormorane sehr schnell reagieren, wenn sich durch Vereisung oder Hochwasser die Jagdbedingungen an der Donau verschlechtern. Binnen weniger Tage sinkt der Schlafplatz-Bestand bis auf die Hälfte ab.

Ein Teil der Vögel zieht offenbar großräumig ab, die verbleibenden fliegen zur Beutesuche verstärkt in die nicht vereisten Flüsse der Forellen- und Äschenregion, deren Fischbestände aus mehreren Gründen gegenüber dem Frassdruck der Vögel noch weit empfindlicher sind.

"Schäden"

 

Entwicklung seit 2000

In den letzten Jahren stieg die Zahl der Winter-Kormorane zwar nur mehr leicht an, an der Donau ist der Trend sogar leicht rückläufig. Dafür bleiben aber immer mehr Kormorane auch den ganzen Sommer über - und vor allem: Es entstehen immer mehr neue (entsprechend kleinere) Schlafplätze in Regionen, in denen Kormorane über Jahrhunderte hinweg höchstens als seltene Ausnahmegäste beobachtet wurden.

Seit zwei Jahren gibt es auch zwei Brutkolonien am Bodensee und im Burgenland.

 

 

Wie die Verbeitungskarte deutlich zeigt: Mit Ausnahme der Zentralalpen sind die Kormoran-Schlafplätze nun in ganz Österreich faktisch flächendeckend verbreitet.

Und zwar nicht mehr nur an großflächigen Gewässern, sondern mehr und mehr auch in der Nähe von Forellen- und Äschengewässern, die gegenüber dem Frassdruck der Kormorane besonders empfindlich sind.

 

Aktuelle Situation - ein Zeichen erschöpfter Fischbestände

Es ist evident, dass die Ausbreitung der Schlafplätze mit der Nahrungssituation zu tun hat. Wenn an den traditionellen Schlafplätzen die Grenzkapazität der Fischbestände erschöpft ist, suchen die Vögel neue Standorte, wo es noch Fische gibt.

Es ist symptomatisch, dass diese neuen Schlafplätze wesentlich kleiner sind, oft nur mit 20 bis 50 Vögeln, und dass sie oft nach wenigen Wochen wieder aufgegeben werden – an diesen Gewässern sind die Fischbestände einfach schneller erschöpft.

Diese sukzessive regionale Ausbreitung, verbunden mit einer Aufsplittung der Schlafplätze und zunehmenden Einflügen in die kleinen und mittleren Gewässer der Äschen- und Forellenregion, ist kein österreichisches Spezifikum. Die gleichen Ausbreitungsmuster zeigen sich, teilweise zeitversetzt, auch in Bayern, der Schweiz, Slowenien und neuerdings auch in Oberitalien/Südtirol.  

Grundsätzlich bevorzugen Kormorane Überwinterungsgebiete in wärmeren Regionen (Kälteempfindlichkeit!) und solange die Population noch geringer war, benützten sie Österreich nur als Durchzugsstation.

Grundsätzlich bevorzugen Kormorane große Schlafplätze an großflächigen Gewässern, wo sie ohne übermäßigen Flugaufwand (innerhalb eines Radius von 15 km) ausreichend Nahrung finden. Die Gründung neuer kleiner Schlafplätze an kleineren Gewässern der Alpenregion ist eine "Ausweichs-Lösung", wenn aufgrund der zunehmenden Population die "carrying capacity" der großflächigen Gewässer erschöpft ist.

 

Schlussfolgerung: Die Gewässer der Alpen- und Voralpenregion sind kein ideales Kormoran-Habitat, sondern eine suboptimale
"Ausweich-Lösung".