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Mairenke, Seelaube oder Schiedling

 

Dieser Fisch ist weder extrem selten noch versteckt lebend. Er wird sogar lokal wirtschaftlich genutzt. Trotzdem ist diese Art bis heute weitgehend unbekannt geblieben. 

Unsere Kenntnis über diese Spezies beginnt damit, dass der berühmte Gletscher- und Fischforscher Agassiz im Jahr 1832 diese bis damals der Wissenschaft nicht bekannten Fische am Münchner Fischmarkt entdeckte. Man muß sich das vor Augen halten: diese unbekannten Fische wurden nicht etwa bei einer Expedition irgendwo im Urwald gefunden, sondern als Marktfische mitten im Herzen von Europa!

Am ehestens sehen diese Fische wie übergroße Lauben aus, auch die Lebensweise ist ähnlich, außer dass die Mairenke zusätzlich auch gelegentlich kleine Fische frisst. Mairenken oder Schiedlinge werden üblicherweise 25 bis 30 cm lang, sehr selten werden auch Fische mit 35cm und sogar noch etwas größer gefangen. Die Mairenke hat einen stromlinienförmigen, seitlich zusammengepressten Körper wie die Laube, der Rücken ist dunkelgrün mit stahlblauem Schimmer, die Seiten und der Bauch schimmern silberweiß. Der Fisch hat zwar ein oberständiges Maul wie die Laube (der Unterkiefer ist länger), aber die Maulspalte ist nicht so steil nach oben gerichtet wie bei der Laube, sieht wirklich einem Schied etwas ähnlich (daher auch der Name Schiedling). Agassiz hat diese Art ursprünglich daher gar nicht so zu Unrecht "Aspius mento" genannt, also eine Verwandtschaft mit dem Schied angenommen. Die Art ist aber am nächsten mit der Laube verwandt. Und wie bei der Laube besteht ein scharfer Kiel zwischen Bauchflossen und Afterflosse. Hier gibt es einen feinen Unterschied zwischen den beiden Arten: bei der Laube ist der Kiel zur Gänze schuppenlos, bei der Mairenke üblicherweise nur der Teil vor dem Weidloch schuppenlos. Außerdem hat die Mairenke etwa um 10% kleinere und damit 10% mehr Schuppen als die Laube. Noch ein Unterscheidungsmerkmal: bei der Laube beginnt die Afterflosse vor dem Ende der Rückenflosse, bei der Mairenke erst nach dem Ende der Rückenflosse. Mit einem kleinen Schied kann man die Mairenke eigentlich nicht verwechseln, da der Schied ein tiefgespaltenes Maul hat, der Maulspalt der Mairenke jedoch nicht einmal bis unter das Auge reicht.

Das Verbreitungsgebiet dieser Fischart ist recht interessant. Sie kommt in den Unterläufen der Flüsse zum Schwarzen und Kaspischen Meer sowie in den dortigen Brackwassergebieten vor und wird dort vor allem während der Laichwanderungen in großen Mengen gefangen. In Rußland heißt dieser Fisch Schemaja. In der Donau wandert die Mairenke bis zum Eisernen Tor aufwärts (das sind 650km). Von Rumänien und Serbien donauaufwärts sind diese Fische nicht bekannt, erst in unseren oberösterreichischen und salzburger sowie in den bayrischen Seen leben wieder Mairenken ebenfalls als Schwarmfische.

In den Seen halten sie sich im Gegensatz zu den Lauben in tieferen Wasserschichten auf, wie die Renken fressen sie als Hauptnahrung Plankton. Die Laichzeit findet bei uns im Mai statt (Name!), in kühlen Jahren kann es auch Juni werden. Dann wandern sie in großen Schwärmen in die Zubringer der Seen. Dort hat man sie früher in der Laichzeit massenhaft gefangen, so waren sie damals in München auf dem Fischmarkt entdeckt worden. Auch heute werden sie in den Seen mit Netzen gefangen und gerne gegessen, eine beliebte Zubereitungsart in Oberösterreich ist gesotten. Allerdings sind sie jetzt während der Laichzeit geschont.

Die Männchen tragen einen Laichausschlag, ein Weibchen kann bei uns über 15.000 Eier haben, in Osteuropa bis zu 23.500. Die Fische laichen in kräftiger Strömung über Schotterboden. Der Laichakt ist sehenswert. Die Fische stellen sich im Schwarm mit dem Kopf nach unten über dem Grund auf und stoßen die Laichprodukte unter schnellen schlängelnden Bewegungen aus. Danach ziehen sie ab und die nächste Reihe nimmt den Platz ein, eine Welle folgt der anderen. Die Eier sind sehr klebrig und haften an den Steinen fest. Wie bei allen Kieslaichern verkriechen sich die Brütlinge zwischen den Schottersteinen und kommen erst heraus, wenn der Dottersack aufgebraucht ist. Mairenken fressen Plankton, in den Flüssen auch Oberflächennahrung und wie die Lauben selten Grundnahrung. Nach 9 Jahren erreichen diese Fische eine Länge von 35cm. Die Literatur betont, dass sie in der oberen Donau ( also BRD und Österreich ) nicht vorkommen. Bei den diversen wissenschaftlichen Befischungen in den letzten Jahren wurden aber Mairenken sehr wohl auch bei uns in der Donau festgestellt. Dies ist nur eine weitere Bestätigung, dass man über das Leben unter Wasser noch immer viel zu wenig weiß. Übrigens: die alten Donaufischer kannten diesen Fisch, sie unterschieden zwischen „Laube“ und „Schusslaube“ (als Schusslauben wurden im Bereich der niederösterreichischen Donau große laubenähnliche Fische mit 25cm Länge und darüber bezeichnet, also Mairenken !!! - aber bitte nicht mit dem Schneider zu verwechseln, der wird ebenfalls in manchen Sprachzonen Schusslaube genannt).

 Helmut Belanyecz