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Die Rotfeder
In größeren Exemplaren nannte man diesen Fisch früher auch Rohrkarpfen, aber der Name ist heute vollständig in Vergessenheit geraten.
VerbreitungDas Verbreitungsgebiet reicht von Irland bis zum Aralsee (heute ist dieser See leider praktisch tot). Die Rotfeder kommt nicht vor südlich der Pyrenäen, in Schottland, der Bretagne, im nördlichen Dänemark, in Norwegen und den größten Teilen Schwedens, in großen Teilen Finnlands und in Nordrussland sowie auf der Halbinsel Krim. In Italien kommt dieser Fisch bis zum Tiber vor, in Griechenland nur am Festland, nicht aber am Peloponnes. Rotfedern sind Schwarmfische und ziehen verkrautete stehende Gewässer vor, in fließenden Gewässern lieben sie die verkrauteten Uferzonen. Trotzdem steigen sie bei uns bis auf 900 m Höhe auf, in der Schweiz sogar bis zu 1.800 m. Rotfedern fressen Plankton, Insektenlarven, Kleinkrebse, Würmer, Schnecken (einigermaßen bekannt wird die ‚Plötzenschnecke’ sein, Valvata piscinalis piscinalis, mit 4,5 bis 7,5 mm Schalenhöhe) und als Oberflächenfische Anflugnahrung. Fallweise nehmen Rotfedern auch große Mengen an Wasserpflanzen. Man sieht sie manchmal Wasserlinsen („Entengrütze“) fressen, ihr Kot ist dann hellgrün und kann in gewissem Grad das Wasser trüben. Die Literatur stellt die Rotfedern sogar als hauptsächlichen Pflanzenfresser dar. Das finde ich allerdings übertrieben. So wie das Rotauge fressen auch Rotfedern Fischlaich und Brütlinge, fallweise vielleicht auch einmal einen kleinen Fisch. Daher wird man im Laufe eines Fischerlebens immer wieder eine Rotfeder auf den Streamer oder den kleinen Blinker fangen. Beangelt wird dieser Fisch selbstverständlich mit den herkömmlichen Ködern; wo es Kapitalere in namhafter Anzahl gibt, kann man auch mit Schwimmbrot oder sogar mit der Trockenfliege auf die Fischwaid gehen. Die größten Rotfedern wird man üblicherweise mit 30cm Länge fangen, aber die Fische können sicherlich bis zu 1,5 kg schwer werden. Größere Exemplare haben häufig sehr dunkles Fleisch, vor allem im Winter.
VerhaltenIn der Hochsommerhitze kann man an verträumten klaren Gewässern manchmal etwas Seltsames beobachten. Schwärme von Rotfedern „hängen“ nahe der Oberfläche herum. Ich kann keinen anderen Ausdruck dafür finden. Die Fische stehen silbern leuchtend kopfaufwärts, kopfabwärts, schräg und sonstwie unbeweglich im Wasser. Beim ersten Mal hatte ich den Eindruck, dass die Fische tot sind. Und dann führten mir Anrainer etwas noch Eigenartigeres vor. Warf man einen Weidenzweig ins Wasser, kam langsam Bewegung in die Fische. Sie sammelten sich um den Ast und fraßen die Weidenblätter ab, zuerst langsam und dann immer lebhafter, dass das Wasser nur so aufspritzte.
Rotfedern halten sich auch über tiefem Wasser gerne nahe der Oberfläche auf. Nahende Räuber merken sie beizeiten mittels ihrer Seitenlinie. Bei stärkerem Wind und damit Wellenschlag funktioniert das aber nicht mehr. Diese Turbulenzen an der Oberfläche setzen das Warnsystem matt. Ich konnte einmal an einem sonnigen, aber windigen Hochsommertag beobachten, wie große Welse 36 Mal an der wellenbewegten Oberfläche in die Rotfedernschwärme hineinraubten. Verhaltensuntersuchungen an Rotaugen, Barschen, Lauben und Rotfedern (alle mit 7 – 15 cm Totallänge) ergaben, dass bei Neubesatz mit Zandern alle bis auf die Rotfedern sehr schnell an die neue Situation angepasste Verhaltensänderungen zeigten. Nur bei Rotfedern sah man keinerlei Veränderungen in der Habitatnutzung oder der Aktivität. In der kalten Jahreszeit ziehen sich diese Fische in tiefere Stellen zurück, in Flüssen suchen sie sogenannte Winterlager auf. Die Fischkonzentrationen in diesen Wintereinständen sind natürlich die bevorzugte Beute der Kormorane in potamalen Fließgewässern.
VermehrungDie Rotfedern laichen abhängig von der Wassertemperatur in Schwärmen zwischen April und Juni im seichten Uferwasser an Unterwasserpflanzen. Kopf und Rücken der Männchen ist dann mit einem feinkörnigen Laichausschlag bedeckt. Eidurchmesser 1,5mm, pro Kilogramm Körpergewicht sind es rund 200.000 Eier, je nach Größe hat ein Rogner üblicherweise 90.000 bis 150.000 Eier, ganz Kapitale selbstverständlich mehr. Die Eier kleben an den Wasserpflanzen, der Schlupf erfolgt je nach Wassertemperatur nach 3 – 10 Tagen. Wie bei allen Krautlaichern heften sich die Brütlinge mit den Klebedrüsen an Wasserpflanzen. Rotfedern können in 2 Jahren laichreif sein, üblicherweise aber erst mit 3 Jahren. Literatur beschreibt, dass sich Rotfedern gern an den Laichvorgängen anderer Cypriniden beteiligen. Das kann aber nur in Gewässern stimmen, in denen die Laichplätze durch Verbauungen etc. reduziert wurden. Denn in naturnahen Augewässern habe ich noch keine Rotfederhybriden gesehen.
Auch die Rotfederbestände gehen zurück, auch auf diesen Fisch wirken alle schädigenden Einflüsse ein. Wir haben nur noch wenige Gewässer, in denen noch wirklich große Rotfedernschwärme vorkommen. |