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Der Sichling
Dieser Fisch sieht richtiggehend „verbaut“ aus: Kopf und Rücken eine Gerade, die Seitenlinie ist wellig, der Bauch vorgewölbt mit scharfer Kante, daher der Name Sichling oder Messerkarpfen. In manchen Gegenden heißt der Fisch auch Ziege.
Sein Verbreitungsgebiet ist die östliche Ostsee mit allen einmündenden Flüssen, noch vor wenigen Jahrzehnten auch der Aralsee (bevor dieses Gewässer den jetzigen Zustand erreichte), sowie die Brackwasserzonen des Kaspischen und des Schwarzen Meeres mit allen Flüssen einschließlich der Donau. Dr. Harsanyi hat Sichlinge sogar im deutschen Teil der Donau festgestellt. Zum Verbreitungsgebiet wäre noch zu sagen: Maitland beschreibt zwei getrennte Populationen, eine an der Ostsee, die zweite im Pontisch-Kaspischen Raum, ohne Verbindung miteinander. Berg und Banarescu sehen das als ein zusammenhängendes Verbreitungsgebiet. An der Ostsee geht diese Art sehr stark zurück, wahrscheinlich ist die Wasserqualität daran schuld. Die Wehre dürften interessanterweise keinen nennenswerten Einfluß haben, denn die Wolga hat weiter starke Bestände, trotz der Stauseen. Bei uns kommt der Sichling in der Donau und im potamalen Bereich der Flüsse vor, in Österreichs Fließgewässern ist er überall recht selten. Aus dem Neusiedlersee hingegen waren noch vor wenigen Jahrzehnten große Schwärme bekannt. Dr. Spindler hat in diesem See das unterschiedliche Nahrungsspektrum bei Lauben und Sichlingen beschrieben. Ab einem gewissen Alter nehmen Sichlinge dann hauptsächlich „großes“ räuberisches Plankton. Ein Haubenkoch des Burgenlandes hatte vor Jahren im Fernsehen sogar Sichlingsrezepte präsentiert. Der Fisch ist regional durchaus von wirtschaftlicher Bedeutung. In den 70er-Jahren wurden vor allem im Brackwasser des Asowschen Meeres noch 4.000 t jährlich gefangen, im Plattensee bis zu 100 t, das waren 10% aller Fänge. Aber obwohl er lange Zeit als der typische Fisch des Neusiedlersees beschrieben wurde, dürfte er dort nicht ursprünglich heimisch sein. Das Bundesamt für Wasserwirtschaft führt den Sichling im Buch „Fischartengemeinschaften der großen österreichischen Seen“ in unserem großen Steppensee erstmals um das Jahr 1930 an. Erst ab diesem Zeitraum wird er dann regelmäßig erwähnt. Daher wird dieser Fisch entgegen der landläufigen Meinung in diesem See als standortfremd eingestuft. Ähnliches ist aus dem Plattensee oder Balaton bekannt. Dort wanderte der Sichling zum Laichen in die Fließgewässer, seit etwa 130 Jahren laicht er im Balaton so wie jetzt bei uns im Neusiedlersee im freien Wasser des Sees. Sichlinge halten sich im Bereich des Planktons auf. Wo dieses bei Tag tiefer geht, wandern die Fische mit, ansonsten sind sie Oberflächenfische. Dadurch scheinen sie in Stauseen nicht so gefährdet wie andere Arten, welche am Grund in die Turbinen ziehen. Die Laichzeit ist abhängig von der Wassertemperatur zwischen Mai und Juli. Je nach Körpergröße haben Sichlingsrogner 10.000 bis knapp 60.000 Eier, die Größten angeblich bis zu 100.000 Eier. Gelaicht wird im Schwarm im freien Wasser, egal ob im stehenden oder fließenden Gewässer. Alle Literatur beschreibt, die Eier schweben wie Plankton im Wasser. Ganz stimmt das nicht. Neueste Forschungen zeigten, selbst im leicht salzhaltigen Wasser des Neusiedlersees mit seiner doch höheren Tragkraft sinken die Sichlingseier ganz langsam zu Boden und bleiben dort über dem Schlamm liegen. Bis zum Schlupf benötigen sie abhängig von der Wassertemperatur 2 bis max. 4 Tage. Über die weitere Entwicklung der Jungfische sowie über die Wanderungen speziell bei uns wissen wir leider wenig bis gar nichts. Das droht uns überall: viele Arten werden aussterben, bevor wir auch nur die Chance haben die Zusammenhänge zu überblicken.
Helmut Belanyecz
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