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Die Äsche

 

Wir Fischer haben 2002 in Österreich zum erstenmal einen Fisch des Jahres ernannt, das ist die Äsche. Diese Art ist bereits so stark gefährdet, dass man die Öffentlichkeit darauf hinweisen muß. 

Über die Ursachen der Gefährdung gibt es allerdings ganz unterschiedliche Meinungen. Doz. Uiblein veröffentlichte eine Äschenstudie aus Kärnten. So detailliert diese Studie in manchen Punkten auch ist, etwas berührt mich eigenartig. Es wird darin ausdrücklich festgehalten, dass es in dieser Arbeit keine Untersuchungen gibt, welche Auswirkungen Kormoran und Regenbogenforelle auf den Äschenbestand haben. Dann wird allerdings zweierlei Maß angewandt. Der Kormoran wird ausdrücklich nicht als Gefährdung betrachtet. (Dieser These möchte ich gegenüberstellen: nach dem Buch „Die Gewässer des Gailtales“ vom Naturwissenschaftlichen Verein Kärntens wurden regional unterschiedlich zwischen 65% und 99% des Fischbestandes der Gail vom Kormoran gefressen. ) Im Gegensatz zum Kormoran wird in der Studie Doz.Uibleins aber der Regenbogenforelle ohne Untersuchungsmaterial die Schuld am Rückgang der Äsche zugeteilt. Das ist es, was ich meine: man spürt überall diesen einseitigen Zeitgeist.  

Jetzt aber zur Äsche. Muß man diesen Fisch beschreiben? In der letzten Zeit ist so viel über ihn gebracht worden, dass wir uns die Beschreibung sicher sparen können. Die Größe ist vielleicht interessant: Berühmt waren die Traunäschen bis zu 2 kg (das war allerdings vor den Kormoraneinfällen), im Inn bei Pfunds erreichten sie sogar 70 cm und 3kg. So ein riesiges Exemplar war von Mag.Christian Mitterlehner beim E-Fischen auch einmal in der Leitha festgestellt worden.

Nun zum Verbreitungsgebiet:  Auf der nördliche Halbkugel gibt es einige sehr ähnliche Äschenarten, in Europa nur eine Art. Das natürliche Verbreitungsgebiet unserer Äsche ist im Großen und Ganzen nur Mitteleuropa inklusive Ostfrankreich, weiters England und Wales sowie Teile Schwedens und Finnlands. In Norwegen kommt die Äsche so wie der Hecht nur ganz im Norden in der Finnmark vor, das Verbreitungsgebiet zieht sich weiter durch Nordrussland bis zur Petschora. Aber auch in diesen Ländern gibt es sie nicht überall.

Die Äsche ist ein Fisch klarer kühler Gebirgs- und Vorgebirgsflüsse, gegen Wasserverschmutzungen ist sie besonders empfindlich, sie hat einer ganzen Flußcharakteristik (Hyporhithral) sogar den Namen gegeben – der Äschenregion (Kennzeichen: Wassertemperatur bis 18° C, selbst im Hochsommer nur kurzfristig höher, Sauerstoffgehalt mindestens 7mg/l, nicht unter 90% Sättigung. Strömung bereits viel ruhiger als in der Forellenregion, abwechselnd von 0,4 bis max. 2,0m/Sek.) Trotzdem kommt die Äsche nicht in allen Flüssen der Äschenregion vor! Wenn das Wasser rein ist und der Sauerstoffgehalt und die Wassertemperatur passen, dann kann sich die Äsche auch in Tieflandflüssen aufhalten , wie z.B. der Schwechat, der Fischa, der Leitha oder in einigen Flüssen der Lüneburger Heide. Bei uns werden schon lange zwei Spielarten beschrieben: es gibt die Innäschen (nördliches Einzugsgebiet zur Donau) und die Drauäschen (südliches oder besser südöstliches Einzugsgebiet zur Donau). Diese Trennung entstand sicherlich durch die Eiszeit(en). Es wird sogar erfahrene Fischer überraschen: die Äsche kommt auch heute noch in den freien Fließstrecken der Donau vor, sogar im Strom bei Wien.

 

Die Äsche bevorzugt mittlere und große Flüsse. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Seit dem Jahr 2000 besiedeln Äschen die Fischaufstiegshilfe des Donaukraftwerkes Freudenau in Wien mit fallweise nicht einmal 1m³/Sek Wasserführung und fühlen sich dort sichtlich wohl. Ich hätte noch andere Beispiele auf Lager: Lauenbäche mit nur 150 – 200 Liter/Sek. und trotzdem kommen auch dort Äschen vor, aber selbstverständlich nur in geringer Individuendichte. 

 Was brauchen die Äschen: naturbelassene Flüsse mit Schottergrund und variabler Wassertiefe – flache Rieselstrecken müssen mit tiefen Gumpen abwechseln. Dieser Wechsel von Furten zu Gumpen bewirkt einen Wechsel der Strömung. Weiters schätzen sie tiefe Uferstrecken mit ins Wasser hängender Vegetation. Auch erwachsene Äschen benötigen diese sogenannten Kleinhabitate. Diese Fische stehen im Freiwasser und suchen im Gegensatz zu Forellen kaum Deckung auf. Dadurch sind sie eine besonders leichte Beute für Räuber wie Kormoran und Fischotter.

 Äschen sind Kieslaicher – so wie Nase und Forelle, die Laichzeit fällt in März bis Mai. Das Laichverhalten und das Verhalten der Jungfische ist so interessant, dass ich es in einem eigenen Artikel behandeln werde. Warum gibt es so wenig Äschennachwuchs? Ich will als Beispiel den oberen Inn anführen: täglich erfolgt mindestens ein Schwall durch die Kraftwerke, dadurch gibt es tägliche Geschiebebewegungen wie sonst nur bei Hochwasser, ein Laichaufkommen ist nicht mehr möglich. Der Bestand kann seit langer Zeit nur mehr durch künstlichen Besatz erhalten werden. Leider sieht die Situation in den meisten unserer Gewässer ganz ähnlich aus. Im Gegensatz zu früher wissen wir heute, dass auch die Äsche Wanderungen der unterschiedlichsten Art durchführen will. Brütlinge und Jungfische suchen je nach Alter ganz unterschiedliche „Kinderstuben“ auf. Darum kann ein Fluß nicht genug Schotterbänke, Seichtzonen und Nebenrinnen haben. Aber auch ausgewachsen führen Äschen Wanderungen durch, saisonale Wanderungen, Laichwanderungen und u.U. sogar Tageswanderungen. Der Krebsschaden sind die vielen Wasserkraftwerke, oft bereits jeden Kilometer eines. Fischaufstiege für Äschen müssen viel „sanfter“ konzipiert sein. Obwohl ein Salmonide, nimmt sie herkömmliche Fischleitern häufig nicht an, während Forellen, Barben und sogar Nasen dort sehr wohl aufsteigen.

Häufig publiziert, aber nicht schlüssig bewiesen, ist die These, dass die Regenbogenforelle die Äsche vertreibt. Es gibt Beispiele zu Hauf, wo diese beiden Arten schon sehr lange nebeneinander vorkommen. Die Fischa kenne ich wie meine Westentasche, erlauben Sie, dass ich diesen Fluß als Beispiel anführe. Ein typischer Äschenfluß von rund 50 km Länge und durchschnittlich 15 m Breite, klares kühles Wasser, Durchschnittstemperatur rund 10° C ohne starke Schwankungen, Kiesgrund, Krautbänke, in den Fünfzigerjahren 10 m³/Sek. Wasserführung , heute nur mehr 7,5 m³/Sek. Regenbogenforellen werden dort seit über 50 Jahren besetzt, vielleicht noch länger. Trotzdem gab und gibt es in der Fischa noch immer parallel einen starker Bestand an Äschen, Bach- und Regenbogenforellen. Alle drei Arten laichen jahrzehntelang erfolgreich nebeneinander ab. Untersuchungen bestätigten das auch aus der Traisen, der Pielach, der Erlauf und vielen anderen Flüssen. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass der Fluss möglichst natürlich geblieben ist. Begradigungen wirken sich als Erstes bei der Äsche aus.

Und dann kamen jeden Winter die Kormorane. Seitdem gehen die Bestände überall drastisch zurück. Selbst in den Wildwasserstrecken des Gesäuses hat der Kormoran bis zu 90% des Äschen- und Forellenbestandes herausgefressen, das hat der über jeden Zweifel erhabene Prof. Mathias Jungwirth eindeutig nachgewiesen. Die Äschenbestände aller unserer Flüsse leiden jeden Winter schwerstens. Würden wir Fischer diesen Fisch nicht laufend besetzen, so wäre die Art schon lange verschwunden. Es wäre hoch an der Zeit, dass die Naturschützer mit uns Fischern an einem Strang ziehen und Aktionen zum Schutz der Äsche mittragen. Da könnten sie sich um den Artenschutz wirklich verdient machen.

 

Helmut Belanyecz

 Foto: Technisches Büro PETZ OEG