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Die Nase

zählt zu den sogenannten Weißfischen, wird etwa 60 cm lang und knapp 3 kg schwer. Sie lebt im kühlen, sauerstoffgesättigten Bereich unserer Flüsse, wo sie in gelegentlich sehr großen Schwärmen knapp über dem sandigen oder schottrigen Grund zieht.

Ihren Namen hat sie von der „nasenförmigen“ Schnauze, die das unterständige Maul weit überragt. Diese Kostruktion ist in Verbindung mit einer schabenden Hornlippe bestens geeignet, die Algen von Steinen abzuweiden.

Die Nase führt zur Laichzeit große Wanderungen durch – wo sie das noch kann. Im März und April sammeln sich Laichzüge, die die Schotterbänke der Laichbäche oder auch der Donau anstreben. Bis zu 100.000 selbstklebende Eier werden vom Rogner an den Kies geheftet – so wird verständlich, dass der stetig zunehmende Mangel an geeigneten Kiesbänken das Laichgeschäft glattweg verhindert. Fazit: von Jahr zu Jahr deutlich weniger Nachwuchs. Was dennoch aufkommt, fällt im Winter dem Kormoran zum Opfer ...

 

Vom Massenfisch auf die Rote Liste 

Früher waren Nasen die häufigsten Fische unserer Fließgewässer, sie waren die „Brotfische“ der Berufsfischer.

Diese Fische benötigen reich gegliederte Buchten und Schotterbänke als Laichgebiete und sogenannte „Kinderstuben“. Das 19. Jahrhundert brachte einschneidende Veränderungen und leitete den Rückgang der Nasenbestände ein. Der erste Schritt war die Regulierung der Flüsse. Die Fließgewässer wurden in ein steinernes Korsett gezwängt, die Nebenarme wurden abgeschnitten oder sogar zugeschüttet.

Die nächste Schädigung entstand durch den Wellenschlag der sich ausbreitenden Dampfschifffahrt. Dadurch werden die Jungfische geschädigt. Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts begann man die Flüsse für Wasserkraftwerke aufzustauen. Die Laichwanderungen der Nasen wurden damit nachhaltig unterbunden. Heute sind praktisch alle unsere Bäche, Flüsse und Ströme von Kraftwerken zerstückelt.

Zum Beispiel die Donau – sie fließt rund 350 km durch Österreich, auf diesen 350 km gibt es nur mehr zwei freie Fließstrecken: die Wachau und die Strecke östlich von Wien bis zur Staatsgrenze, das Gebiet des sogenannten Nationalparks. „Sogenannt“ deshalb, weil auch dort nichts mehr wirklich natürlich ist, weil auch dort  die Donau durch Steinwürfe eingeengt ist, usw. Schotterbänke machen auch dort nur mehr knapp 15 % der Gewässer-Strecke aus. Auch im Nationalpark kann also keine Rede von „natürlichem Gebiet“ sein, aber dieses Gebiet war wenigsten noch für die Nasen geeignet.

Die Universität Wien führt im Strom östlich von Wien und im Fluß Fischa seit rund 15 Jahren  Studien über das Laichverhalten von Nasen durch. Ich habe das Vergnügen und die Ehre, oft dabei zu sein. Durch diese Untersuchungen wissen wir, dass die Nasen noch rund 50% des Gesamtfischbestandes ausmachten. Solche Gebiete wie die Wachau, die Donau östlich von Wien oder naturnahe Flüsse wie die Lafnitz in der Steiermark waren die wenigen Gebiete, wo sich noch nennenswerte Nasenpopulationen halten konnten.  Seit den 90er-Jahren fielen dann Winter für Winter immer größere Kormoranschwärme in unseren Flüssen und damit auch in der Donau ein. Die wenigen Nasenbestände begannen drastisch zu schwinden.

Es gibt die Aktion „Lebende Flüsse“, es gibt die EU-Wasserrahmen-Richtlinien, die Menschen begreifen, daß Wasser Leben bedeutet und beginnen die Flüsse rückzubauen und zu revitalisieren. Aber das wird sich über Jahrzehnte hinziehen, vielleicht noch viel länger. Solange können wir nicht warten, denn die Kormorane fallen jetzt in unsere Gewässer ein. Jetzt muss etwas zur Rettung der Nase und der anderen Fischarten getan werden. Das kann nur heißen, die Kormoranüberbestände auf ein von der Natur verträgliches Maß zurück zu bringen. Das muss der Mensch machen, denn der Kormoran hat keinen natürlichen Feind mehr.

Aus diesem Grund haben die österreichischen Fischer, vertreten durch das ÖKF, den VÖAFV und den ÖFV, die Nase zum Fisch des Jahres gewählt, als stellvertretendes Symbol für all jene Fische und Fischarten, die durch die menschliche Unvernunft mehr und mehr in Gefahr geraten.

Helmut Belanyecz

Foto:  TB Petz