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Der Seesaibling
Ein sehr begehrter Fisch, in unseren Voralpen- und Alpenseen früher sogar ein häufiger Fisch. Er führt viele Namen: Salbling, Salmling, Rotfisch (so hießt übrigens regional auch der Huchen), Wildfangsaibling oder Schwarzreuter. In Britannien heißt er charr, in Frankreich wird er als ombre chevalier geschätzt. Mit der Seeforelle kann er nicht verwechselt werden, er hat keine schwarzen Punkte, weiters haben seine roten Flossen einen weißen Vorderrand. In der relativ kurzen Zeit seit der Eiszeit hat sich eine Unzahl von Seenpopulationen gebildet. Der Seesaibling bevölkert alle klaren und kalten Seen, von Island über das nördliche Europa und Asien bis Amerika. In Europa liegt sein südlichstes Verbreitungsgebiet in den Alpen einschließlich der Seealpen und in den Pyrenäen. Bei den arktischen Wandersaiblingen gibt es Formen, die vom Meer über die Flüsse bis in die hochgelegenen Seen aufsteigen und dort ablaichen. Die Süßwasserform Seesaibling hat diese Lebensgewohnheiten weiterentwickelt, sie laicht ausschließlich in „ihrem“ See. Da sie nicht mehr wandern und auch nicht mehr wandern können, hat jeder See eine eigene Spielart entwickelt. Das wäre ein reichhaltiges Forschungsgebiet gewesen, um u.a. Eiweiß- und DNA-Untersuchungen gegenüber zu stellen. Aber bereits Kaiser Maximilian hatte großflächige Besatzmaßnahmen durchführen lassen, so kamen Seesaiblinge in alle nur irgend wie geeignete Gewässer, und bei diesen Verschleppungen wurden die örtlichen Spielarten kräftig vermischt. Sie hielten sich sogar Hunderte von Jahren im Burggraben der Kärntner Stadt Friesach, was in dem Buch „Fische, Neunaugen, Flusskrebse, Großmuscheln“ des Naturwissenschaftlichen Vereins für Kärnten ausführlich beschrieben wird. Besatz aus anderen Gewässern wurde bis weit in das 20. Jahrhundert beibehalten. Heckel & Kner beschrieben, dass aus einem 1.300 m hoch gelegenen Bergsee in einen See auf der Elm umgesetzte Saiblinge dort in kurzer Zeit ein Gewicht von 2kg erreichten und damit die dort Einheimischen weit übertrafen. Trotzdem ist es gut, dass die willkürlichen Besatzleistungen eingestellt worden sind.
In den verschiedenen Seen haben die Saiblinge recht unterschiedliche Lebensgewohnheiten entwickelt – es gibt Uferlaicher, die in der kalten Jahreszeit ablaichen und Grundlaicher, die im Hochsommer Hochzeit halten. In manchen Seen trifft man in der Tiefe das gesamte Jahr laichende Seesaiblinge an. Es wird viele überraschen, aber in manchen Seen gibt es Populationen, die zum Laichen in die Zuflüsse aufsteigen, wie z.B. im Lunzer See. Der Eidurchmesser misst 3-4 mm, es sind 3.000-4.000 Eier pro kg Körpergewicht. Die Larven sind etwa 15mm lang. In den Hochgebirgsseen wird der Saibling oft nicht größer als 15cm. In unseren großen Seen unterscheiden wir im Großen und Ganzen 4 Untergruppen von Saiblingen: Den sogenannten Normalsaibling mit maximal 25-40 dag, von See zu See verschieden, in Extremfällen sogar knapp 1kg, den Schwarzreuter, eine Zwergform mit 8 bis höchsten 10 dag Gewicht, den Tiefsee- oder Hungersaibling, eine einfärbig blasse ebenfalls kleine Kümmerform der Seentiefe, und den als Beute hochbegehrten Wildfangsaibling, ein Räuber, der 3 kg und u.U. sogar mehr erreichen kann. So unterschiedlich das Wachstum ist, so unterschiedlich ist auch die Ernährung: Die Zwergformen der Tiefe fressen praktisch ausschließlich Plankton und kleine Bodentiere, Normalsaiblinge ernähren sich genauso, vor allem im Frühsommer nehmen sie aber auch Insekten von der Wasseroberfläche, hie und da steht auch einmal ein kleiner Fisch auf dem Speisezettel, und in manchen Seen mästen sie sich im Mai mit Barschbrut wie die Renken. Die großen Wildfangsaiblinge jagen Fische.
Bei uns kommen Saiblinge außer in Wien und im Burgenland in allen Bundesländern vor. In NÖ ist das einzige natürliche Vorkommen im Lunzer See. Vor 40 Jahren kostete dort eine Tageskarte fast den Monatsgehalt eines kleinen Angestellten. Einige mir persönlich bekannte Personen konnten sich das leisten und fingen mit Käse und Schwimmer 20 und mehr Saiblinge pro Kopf und Tag. Den Saibling nannten sie hochnäsig „Trottelfisch“, weil er so leicht an die Angel ging. Zur Ehrenrettung unserer Zunft kann ich sagen, dass diese Leute nie richtige Fischer waren, heute fischen sie in Forellenteichen. Als dann im Lunzer See der Saiblingsbestand zurückging, wurde einige Zeit sogar der amerikanische Seesaibling besetzt, um das Geschäft aufrecht zu erhalten. Heute hat sich das zum Glück vollständig geändert. Bewirtschaftung wird heute überall nach ökologischen Gesichtspunkten durchgeführt. Aber die Saiblinge sind in allen unseren Seen zurückgegangen, genauso wie die Renken. Die Ursachen waren vielfältig: Abwasserbelastung, teilweise auch Überfischung durch die Berufsfischerei, aber auch der seinerzeitige Aalbesatz. Am besten untersucht ist der Mondsee. In den 60er-Jahren der Autobahnbau und die anschließende Eutrophierung ließen den Ausfang von 5.000 kg im Jahr 1957 auf 180 kg im Jahr 1978 schwinden. In anderen Seen wie dem Irrsee ist der Saibling komplett ausgestorben. Bei der Fischereifachtagung in Mondsee kam z.B. zur Sprache, dass die Saiblinge im Grundlsee infolge der Eutrophierung durch die Barsche verdrängt werden. Wie gesagt, die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig. Wir – die Menschen – haben überall Kläranlagen errichtet, die Gewässer wurden wieder rein. Aber wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass wir bei weitem nicht alles aus dem Abwasser herausfiltern können. Aus vielerlei „Quellen“ kommen hormonähnliche Substanzen in die Gewässer. Die Wirkungsweise und Zusammenhänge können wir noch immer nicht vollständig überblicken. Derzeit läuft am Institut für Gewässerökologie und Seenkunde in Scharfling ein Untersuchungsprojekt über die Auswirkungen dieser Stoffe. Wir müssen festhalten, dass wir noch weit davon entfernt sind, die angepeilten naturnahen Zustände zu erreichen. Fischbesatz wird auf lange Zeit die einzige Methode bleiben, um unsere Fischbestände zu erhalten. Das gilt für alle Bestände, genauso daher auch für den Seesaibling.
Helmut Belanyecz
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