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Fallbeispiel Ahr (Rheinland-Pfalz)

Die Ahr ist ein interner linksseitiger Nebenfluss des Rheins, Gesamtlänge 83 km, mit weitgehend natürlichen Strukturen, mit hervorragender Wasserqualität (Klasse I-II). Die Fischfauna umfasst 20 Fischarten.

Die Untersuchung deckte fast den gesamten Flusslauf ab, 60 km abwärts bis zur Mündung in den Rhein.

Die erster Erhebung erfolgte im Herbst 1994, vor Einflug der ersten Kormorane. In den folgenden Wintern kam es zu regelmäßigen Einflügen von Kormoran-Trupps, wobei im Unterlauf durchschnittlich 70 Vögel, im oberen Abschnitt rund 20 Vögel gezählt wurden.

Die zwei Wiederholungsstudien im Herbst 1996 und im Frühjahr 1997 zeigten einen stufenweisen Rückgang der Fischbestände - siehe Diagramm.

 

 

 Details zur Methode der Ahr-Studie

Diese Untersuchung von Schwevers & Adam ist aus mehreren Gründen eine der überzeugendsten Studien zu den Auswirkungen der Kormoran-Prädation.

·        Lupenreinerr Vorher-Nachher-Vergleich: Die Ersterhebung erfolgte im letzten Jahr vor dem ersten Auftreten der Kormorane, zeigt also den unbeeinflussten Ausgangszustand.

·        Ganze Bandbreite der Flussabschnitte abgedeckt: Die Untersuchung deckte ganze 60 km des Flusslaufes ab, damit auch unterschiedliche Flussregionen - von einer reinen Äschenregion bis zur unteren Barbenregion.

·        Genaue Vergleichbarkeit der untersuchten Stellen: Die Elektrobefischungen erfolgten systematisch an 12 typischen Abschnitten á 100 Meter. In allen drei Wellen wurden exakt die gleichen Stellen untersucht, wobei auch auf die Vergleichbarkeit der Wasserstände geachtet wurde.

·        Besonders aufwändige und exakte Erhebungsmethode: Die Elektrobefischungen erfolgten nach der De Lury Methode. Dies ist die generell exakteste Methode zur quantitativen Messung des Fischbestands. Dabei wird eine Stelle nicht nur einmal, sondern mehrmals hintereinander abgefischt, die jeweils gefangenen Fische werden markiert und wieder zurückgesetzt, bei den nachfolgenden Befischungen kann aus dem Verhältnis der markierten zu den noch unmarkierten Fischen der Gesamtbestand errechnet werden. Konkret wurde bei der Ahr-Studie jede Messstelle in 6 Durchgängen befischt.

·        Differenzierte Analyse nach Fischarten und Fischgrößen: Nicht nur Zahl und Gewicht der Fische wirden erfasst, sondern auch die Art und Größe. Das ist zwar Standard bei wissenschaftlichen Studien, aber aufgrund der De-Lury-methode sind hier die Daten besonders zuverlässig. Dadurch konnte klar dokumentiert werden, dass bestimmte Fischgrößen und Fischarten von der Kormoranprädation überproportional betroffen sind.

·        Parallele Kormoran-Zählungen: Zusätzlich zu den Befischungsdaten gab es (was leider nur bei wenigen anderen Studien der Fall ist) auch eine Zählung der Kormorane. Dabei wurden im unteren Flussabschnitt pro Tag durchschnittlich 70 Kormorane, im oberen Abschnitt durchschnittlich 20 Kormorane beobachtet. In der Analyse konnten daher die festgestellten Fischverluste mit dem "errechneten Fraßdruck" verglichen und auf Plausibilität überprüft werden.

Im Originalbericht wird von den Forschern auch gründlich diskutiert, ob es andere Faktoren (Hochwässer, Fischsterben etc.) geben könnte, die den Rückgang der Fischbestände erklären könnten. Schlussfolgerung: Keine anderen identifizierbaren Einflüsse, der Rückgang ist eindeutig auf den Faktor Kormoran zurückzuführen.

 Diskussion möglicher Fehlerquellen:

Die Untersuchungsstellen wurden nicht nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, sondern bewußt als "typische Stellen" (klar abgegrenzte Gumpen, teilweise unterhalb von Wehren; Vergleich verbauter zu natürbelassenen Abschnitten). Dadurch sind vermutlich reine Fließsstrecken unterrepräsentiert, ruhige Abschnitte mit besonders hohem Fischbestand überrepräsentiert. Da ruhige Gewässerteile von Kormoranen bei der Jagd nachweislich bevorzugt werden, könnte argumentiert werden, dass die Verluste in schnelleren Fließstrecken weniger hoch wären (oder gar, dass sich die Fische aus den untersuchten Stellen in diese Fließstrecken geflüchtet hätten). Theoretisch kann man so argumentieren - allerdings, die Ergebnisse sind so deutlich und die festgestellten Verluste sind so hoch, dass sich an der generellen Schlussfolgerung nichts ändern würde: Der Fraßdruck der Kormorane hat zu Fischverlusten geführt, die bei weitem über dem "natürlichen jahres-Zuwachs" liegen.